Historie

Die Geschichte des St. Walburga-Krankenhauses

 
Am 28. September 1848 feierte der damalige Landdechant und Pfarrer, Ernestus Böschen, sein goldenes Priesterjubiläum. Die Einrichtung einer Krankenanstalt war schon länger im Gerede; aber woher sollte man nun das Geld nehmen. Eine solche Anstalt musste von den Zinsen des anzulegenden Kapitales leben können, da es Krankenversicherungen in der damaligen Zeit ebenso wenig gab wie andere Versicherungsarten. Man kann sich heute nur schlecht die Armut und die Not der damaligen Zeit vorstellen, obwohl es ja erst etwa 150 Jahre her ist.

Die Menschen damals waren aber trotzdem zufrieden und glücklich, weil sie es ja nicht anders kennen gelernt hatten. Den Anstoß zu einer Krankenanstalt gab nun anlässlich der obigen Feier der damalige Landrat Böse. In seiner Glückwunschrede sagte er u.a.: „Die Gründe einer derartigen Pflegeanstalt für arme Kranke ist von jeher der Lieblingswunsch unseres verehrten Jubilars gewesen. Gern wird er zur Verwirklichung desselben heute, an seinem Ehrentage, den ersten Grundstein legen und seinen hohen Gönnern und vielen Freunden von nah und fern dadurch eine willkommene Gelegenheit geben, sich ebenfalls an einem Unternehmen zu beteiligen, welche seinen Namen führen und sein Andenken für alle Zeiten sichern wird!“ So brachte Landrat Böse ganz bewußt den Baustein ins Rollen.

Der Jubilar zeichnete gerührt als erster 160 Taler. Die anwesenden Festteilnehmer wollten nicht zurückstehen und griffen ebenfalls in ihre Geldbörsen, so dass an diesem Tage bereits 370 Taler und 7 Silbergroschen zusammenkamen. Dann allerdings ruhte die Stiftung wegen der politischen Wirren (1848!) und der Hungersnot in unserem Vaterlande. Erst im Jahre 1851 konnte sie wieder, von dem Dechanten Böschen selbst, aufgegriffen werden. Durch besondere Spenden des Grafen Klemens August von Westphalen sowie vieler Mescheder Vereine, vor allem der Frauen- und Jungfrauenvereine, die durch Verlosung von selbst angefertigten Handarbeitssachen alleine 494 Taler aufbrachten, konnte bald das Grasshof’sche (oder auch Reuel’sche Haus genannt) aufgekauft werden. Es war bisher Eigentum des verstorbenen Forstmeisters Grasshof gewesen und lag zwischen der Gutenbergstraße und der Mühlengasse.

Der Preis des Hauses betrug damals 2.500 Taler. Für 500 Taler sollten dann noch bauliche Veränderungen und die Beschaffung von Möbeln vorgenommen werden. Jeder, der dem Verein zur Gründung eines Krankenhauses beitrat, musste sich verpflichten, einen Taler im Jahr zu zahlen.

Die Bemühungen, dass Barmherzige Schwestern hierher kamen, schlugen anfangs fehl. Man hatte sich zwar an das Mutterhaus der Clemensschwestern in Münster gewandt, doch dort wütete zu der Zeit eine Krankheit unter den ehrwürdigen Schwestern und außerdem fehlte es dort an Schwestern.

Auf wiederholtes inständiges Bitten der Mescheder beim Mutterhaus in Münster wurden schließlich zwei Barmherzige Schwestern für die Krankenanstalt in Meschede zur Verfügung gestellt. Am 12. August 1854 trafen die beiden ehrwürdigen Schwestern, Schwester M. Salesia und Schwester M. Ambrosia, hier ein. Sie übernahmen sofort die hiesige Krankenanstalt.

Der Einzug der Schwestern fiel auf einen Samstag. Am Sonntag, dem 13. August 1854 wurde dieses Ereignis in der Kirche verkündet, weshalb dieser Tag auch als die wirkliche Eröffnung der "Ernestinischen Stiftung" galt. In der Frühpredigt wies der damalige Kaplan Wrede darauf hin, wie der bei dem Jubiläum des Dechanten Ernestus Böschen gefasste Plan nun Wirklichkeit geworden sei. Er dankte den Eingesessenen des ganzen Kirchspiels und vor allem dem Grafen von Westphalen für die Hilfe und die Spenden. Dann wandte er sich in seiner Predigt den Taten der Barmherzigen Schwestern zu. Das Thema seiner Predigt lautete: Glückselig sind die Barmherzigen, sie werden Barmherzigkeit erlangen. Er führte etwa folgendes aus (wie der Mescheder Zeitung zu entnehmen ist): >Von den ersten Zeiten des Christentums an finden wir allenthalben in Städten und Dörfern, auf flachem Land und auf den Gipfeln der Berge eine Menge von Zufluchtsstätten für Kranke. Wir sehen gerade aus dem schwachen Geschlechte jene heldenmütige Schar, die barmherzigen Schwestern, die vor keiner Gefahr ihr Leben zu verlieren zurückgeben, die freiwillig sich in das einsame Gemach des Pest- und Cholerakranken einschließen lassen, den Schauder der Natur zwar fühlen, aber aus Übermaß der Barmherzigkeit überwinden, um jenen Unglücklichen den Trost der Religion und den Dienst ihrer Liebe zu schenken. Es gibt nichts größeres auf Erden als diese Opfer, welche das schwache Geschlecht mit so freudigem Gemüt bringt.<
 
Nun ist auch in unserer Stadt eine Anstalt mit Barmherzigen Schwestern errichtet. Die ehrwürdige Mutter aus dem Mutterhaus zu Münster, das Clemenshospital genannt, hat zwei Schwestern, nach ihrer Ankunft in das zur Krankenanstalt bestimmte Haus eingeführt. "So ist denn der fromme Wunsch von uns allen erfüllt ..."

Der erste Rechenschaftsbericht vom 10. Januar 1855 enthält folgende Eintragung: 

In dem kurzen Zeitraum vom 12. August 1854 ab, wo die Barmherzigen Schwestern bei ihrer Einführung in die Anstalt zu ihrer "Freude" bereits einen Beinbruch-Kranken vorfanden, sind in derselben

a)   23 Kranke, zusammen an 375 Tagen verpflegt,
b)   18 davon als geheilt entlassen,
c)    2 davon in der Anstalt gestorben,
d)    3 davon also ins Jahr 1855 übernommen worden.

Außerdem haben die Barmherzigen Schwestern noch neun schwer leidende Kranke außerhalb der Anstalt, in der Wohnung der letzteren, hier (in Meschede), zu Laer und zu Berghausen usw. an 249 Tagen gepflegt, wobei allein 104 Verpflegungstage auf die Landgemeinde des Kirchspiels gekommen sind. Meschede zählte zu dieser Zeit etwa 2.000 Einwohner und hatte nach der Mescheder Zeitung etwa 180 Häuser.

Im Jahre 1856 schreibt der Rendant in seinem Rechenschaftsbericht, dass die Anstalt viel zu klein sei und führt folgendes aus:
"Es klingt fabelhaft, wie man bei Einziehung der Gelder die Erfahrung macht, dass es selbst nicht unbemittelte Leute gibt, welche für eine so gemeinnützige Anstalt auch nicht das geringste übrig haben und sich vor Geiz lieber in den Finger beißen, als dass sie von ihrem Mammon, womit sie nicht bis an ihr Ende zu reichen meinen, einen einzigen Groschen hergeben." Dem Einsammler der Beiträge gegenüber ist von solchen gar die Äußerung gemacht worden: "Was sollen wir beitragen? Die Anstalt ist reich, hat Kapitalien, kann sich selbst helfen - wir geben nichts."

Er legte dann weiter dar, dass die Zinsen der Kapitalien nicht dazu ausreichen würden, nur einen einzigen Kranken dass ganze Jahr über zu verpflegen. Es wäre nicht möglich die Anstalt zu erhalten, wenn nicht der Protektor, der Graf von Westphalen, immer wieder das Fehlende in den Haushalt schicken würde.

In diesem Jahre wurde bereits die 3. Barmherzige Schwester aus dem Mutterhaus in Münster, Schwester M. Sidonia, nach Meschede versetzt. Zu dem Wirken der Anstalt in diesem 2. Jahr wurde folgendes notiert:

Aus dem Jahre 1854 wurden an Kranken übernommen: 3 Personen
Im Laufe des Jahres 1855 sind hinzugetreten: 145 Personen

Summa: 148 Personen
       
Davon sind als geheilt entlassen:      123 Personen
in der Anstalt gestorben:                       10 Personen
darin noch krank geblieben:                 15 Personen

Auf diese Kranken kamen jetzt schon 3.517 Verpflegungstage. Das alles musste von den 3 Ordensschwestern, Salesia, Ambrosia und Sidonia vollbracht werden. Hinzu kam noch, dass sie in der Stadt Meschede acht Kranke an zusammen 103 Tagen auf ärztliche Anordnung betreut und verpflegt haben.

Der Dechant, Ernestus Böschen, nach dessen Namen das Krankenhaus "Ernestinische Krankenanstalt" genannt wurde, hat leider von dem segensreichen Wirken seiner Stiftung nichts mehr erlebt. Er starb am 13. Mai 1854.

Im Revolutionsjahr 1848 hatten sich die Mescheder ruhig verhalten und ihre Loyalität dem Grafen Klemens von Westphalen bewiesen. Aus diesem Grunde wollte sich der Graf bei der Einrichtung der Krankenanstalt den Meschedern erkenntlich zeigen. Am Vorabend der Einweihung der Krankenanstalt brachten die Bürger unter dem Schützenhauptmann Sör dem Graf in Laer einen Fackelzug. Das Grasshof’sche Haus war nur einstöckig, darum war die Anstalt schon bald zu klein. Im Jahre 1856 musste das Haus aufgestockt und vollständig umgebaut werden. Während dieser Zeit befand sich das Krankenhaus in dem Hause des Zimmermeisters Anton Wiese an der Gebkebrücke. 1857 konnte dann der Fastneubau wieder bezogen werden. Das Zimmer links vom Eingang war jetzt als Kapelle eingerichtet. Da die Kapellenfenster aber auf die Korte’sche Bierbrauerei gerichtet waren, wurde die Kapelle vom Generalvikariat in Paderborn erst am 12.07.1860 anerkannt, nachdem die Fenster durch einen "geeigneten Verschluss" gesichert waren.

Die neue Ernestinische Krankenanstalt war aber schon bald wieder überfüllt. Es musste gebaut werden. Um das erforderliche Baugelände zu erhalten mussten die Häuser Adolf Kämpfer und Witwe Müller in der Mühlengasse aufgekauft werden. Der Anbau kam dann in den Jahren 1884/85 zur Ausführung. An diesem neuen Südflügel war die Anbringung eines Balkons geplant. Damals wurde ein Balkon als Luxuseinrichtung angesehen. Aus diesem Grunde wandte sich Kaplan Fischer, der sich im übrigen sehr verdient gemacht hatte um diese Krankenanstalt, gegen eine solche Einrichtung. An dieser Balkonseite wollte er schon damals eine Krankenhauskapelle angebaut wissen. Seine Einwürfe wurden abgewiesen. Die Eisenträger wurden also bei dem Neubau durchgelegt. Die Leute erzählten früher, dass Kaplan Fischer, da er einen Balkon für überflüssig und nutzlos hielt, mit seinen Einwendungen aber nicht durchdrang, zur Selbsthilfe geschritten sei. Mit einem befreundeten Schlossermeister soll er dann zur Nachtzeit die durchlaufenden Eisenträger am Mauerwerk abgesägt haben. Ob das den Tatsachen entspricht, weiß ich nicht. Ich habe es von den Älteren immer erzählen hören. Jedenfalls sind noch heute die Ansätze für den Balkonanbau auf der Südseite (von der Mühlengasse aus) deutlich zu sehen. Ebenso sind die Nischen für die vorgesehenen Türen noch zu erkennen. Als dann in den Jahren 1892/93 eine neue Kapelle gebaut werden sollte, wollte man diese an dem Südflügel nach Osten hin errichten. Dieser Entwurf wurde aber verworfen und man baute die Kapelle nach Osten (zur Mühlengasse hin) an.

Der Graf von Westphalen hatte sich für die Krankenanstalten sehr eingesetzt und zugesteuert. Es wurde daher vertraglich festgelegt, dass immer 6 Betten für seine Leute zur Verfügung stehen mussten. Einmal im Jahr und zwar am Namensfest der hl. Klara kam er mit der Gräfin und besuchte alle Kranken im Haus. Die Gräfin verteilte dann Lebensmittel und schnitt mittags für alle Kranken das Fleisch. Die Verwaltung des Hauses wurde ebenfalls von der gräflichen Rentei vorgenommen.

Im Jahre 1912 wurde dann damals ein modernes Isolierhaus nach Osten zur Henne hin erbaut. Dieses Haus hatte 15 Betten und keine Verbindung mit dem Hauptgebäude. Hier wurden die ansteckenden Krankheiten untergebracht. Die Zahl der Barmherzigen Schwestern war inzwischen auf 10 gestiegen.

Im ersten Weltkrieg (1914-1918) war das Haus überbelegt und wurde zu klein. Ende des Jahres 1920 überlegte man schon, einen Neubau zu errichten. Da es aber an dem nötigen Geld fehlte, wurde dieser Wunsch zurückgestellt. 1930 griff man den Plan eines Neubaus wieder auf. Inzwischen war die Einwohnerzahl von Meschede auf 5.000 angewachsen. Es stellte sich aber heraus, dass ein Neubau mit 120 Betten die runde Summe von 1 Millionen Reichsmark verschlingen würde. Somit war das Projekt wieder auf einem toten Punkt angekommen. Man fand aber schließlich Hilfe beim Mutterhaus der Schwestern in Münster. Gegen Übereignung der Besitzungen des Krankenhausvereins und eines entsprechenden Bauplatzes am Schederweg plante Münster einen Neubau, zu dem der Krankenhausverein bereits am 15. Juli 1934 den Grundstein legte.Nachdem am 05. Juli 1934 der Grundstein für das neue Krankenhaus gelegt worden war, konnte es bereits am 16. Mai 1936 nach einer für heutige Verhältnisse unvorstellbar kurzen Bauzeit in Betrieb genommen werden. Das neue Krankenhaus wurde damals außerhalb der Stadt Meschede, "hoch oben am Hang des Vogelsangs" auf einem Gelände, das damals insgesamt 23 Morgen Äcker und Gärten umfasste, errichtet und einegweiht.
 
Von der Presse wurde das neue Krankenhaus damals "das modernste Krankenhaus des Sauerlandes" genannt. Weiter hieß es: "Das neue Krankenhaus ist in technischer und hygienischer Hinsicht auf das Modernste eingerichtet und mit allen Neuerungen eines modernen Krankenhauses ausgestattet. Die Bauherrin ist das Mutterhaus der Barmherzigen Clemensschwestern in Münster. Der Erbauer ist Architekt P. H. Stevens, Münster, der hier seine Erfahrung auf dem Gebiete des Krankenhausbaues in vorzüglicher Weise erneut unter Beweis gestellt hat. Es ist hier ein Krankenhaus geschaffen worden, das  im Sauerland und weit darüber hinaus noch nicht vorhanden ist."
 
Das Mutterhaus in Münster hat die "Ernestinischen Krankenanstalten" zu einem Altersheim umgebaut. Im "1000-jährigen Reich" hatte die NSDAP das Isolierhaus beschlagnahmt und es als NSV-Dienststelle eingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben am 19. Februar 1945 das Haus total. Nur die Außenmauern und das ehemalige Isolierhaus blieben stehen. Das neue St. Walburga-Krankenhaus blieb gottseidank unzerstört. Aus den Ruinen der Ernestinischen Stiftung wuchs bald ein neues Altenheim.
 
Das St. Walburga-Krankenhaus hatte zunächst 150 Betten, 3 modern eingerichtete Operationssäle, eine Röntgenabteilung, medizinische Bäder und andere Einrichtungen. Es bestanden "eine Abteilung für Kinder, für Wöchnerinnen, für Frauen, für Männer, eine Licht- und Luftstation für Lungenkranke, eine Privatstation, eine Isolierstation und eine Abteilung für Schwerkranke." Die Kranken wurden aus dem bisherigen Krankenhaus, der jetzigen "Ernestinischen Stiftung", übernommen und weiter von den Belegärzten Dr. Flaskamp, Dr. Kecke und Dr. Spancken sowie dem Chirurgen Dr. Schmittdiel und dem HNO-Arzt Dr. Kampwirth ärztlich betreut. Die pflegerische Betreuung übernahmen selbstverständlich die 28 Clemensschwestern aus der Ernestinischen Krankenanstalt. Bis heute haben die Clemensschwestern still und bescheiden die zahlreichen Patienten betreut und oft in aufopferungsvoller Tag- und Nachtarbeit den Krankenhausbetrieb auch in schwierigster Lage aufrecht erhalten. Den zahlreichen Clemensschwestern, die durch unermüdlichen Einsatz das St. Walburga-Krankenhaus bis zu seiner heutigen Größe (247 Betten) und Bedeutung geführt haben, gilt vor allem unser Dank.

Bis 1939 wurden die Entbindungen durch die Belegärzte Dr. Spancken, Dr. Hecker  und Dr. Flaskamp durchgführt. Ab 1939 übernahm Herr Dr. Schmittdiel auch die Geburtshilfe. Am 01.01.1938 kam Dr. K. Müller als Internist nach Meschede und wurde zunächst ebenfalls als Belegarzt am St. Walburga-Krankenhaus tätig. Wohl bedingt durch die Unsicherheit der Kriegs- und Nachkriegsjahre, blieb das Belegarztsystem bis 1949 erhalten. Erst 1949 übernahm Herr Dr. Müller die neu geschaffene Innere Abteilung und beendete damit die Belegarzttätigkeit der praktischen Ärzte. Herr Dr. Müller wurde gleichzeitig Ärztlicher Direktor des Krankenhauses.

Inzwischen war aber einiges geschehen. 1940 wurde ein neues Isolierhaus mit 80 Betten, das jetzige Rochushaus, errichtet und am 01.01.1941 wurde im St. Walburga-Krankenhaus ein Reservelazarett mit zunächst 110, später 140 Betten, eingerichtet.

Infolge des 3. schweren Bombenangriffs auf Meschede Ende Februar 1945 brannten der Dachstuhl des Isolierhauses und des Wirtschaftsgebäudes vollständig aus.

Nur durch das beherzte Eingreifen der Soldaten blieb das übrige Krankenhaus verschont. An den Folgen des Bombenangriffs verstarb leider der seit 1933 in Meschede tätige und sehr beliebte Chirurg, Herr Dr. Schmittdiel. Sein Nachfolger wurde am 15.06.1945 Herr Dr. P. Donhuijsen.

Der Zusammenbruch 1945 bedeutete auch für das St. Walburga-Krankenhaus wieder die Stunde Null. Tatkräftig, aufopferungsvoll  und in unermüdlichem Einsatz haben die Ärzte, Schwestern und das übrige Personal das Krankenhaus wieder funktionstüchtig  gemacht, in den folgenden Jahrzehnten langsam ausgebaut und dafür gesorgt, dass es Anschluss an die sich immer weiter entwickelnde Medizin behielt. Besonders Dr. Müller, Dr. Donhuijsen und Schwester M. Zephyrina haben das St. Walburga-Krankenhaus in diesen Jahren geprägt. Auch die Typhusepidemie 1945/46 wurde gemeistert. Damals waren zeitweise über 100 Betten mit zum Teil schwer kranken Typhuspatienten belegt.

Das Krankenhaus wurde größer. 1949 kam Augenarzt Herr Dr. Doemens hinzu, der 1955 im Tausch mit Herrn Dr. Lohre nach Hamburg ging. 1956 wurden eine neue gynäkologische-geburtshilfliche Abteilung mit 44 Betten, eine neue Röntgenabteilung und Operationsräume für die Fachärzte (Hals-Nasen-Ohren und Augen) errichtet. Im selben Jahre wurde die Krankenpflegeschule durch die Generaloberin der Clemensschwestern in Münster, Schwester M. Arnhild, aufgebaut und ein neues Schülerinnenwohnheim geschaffen. Herr Dr. Müller übernahm die ärztliche Leitung der Krankenpflegeschule. 1957 wurde das Gebiet der Geburtshilfe und Gynäkologie von der Chirurgie getrennt. Die neue geburtshilfliche-gynäkologische Abteilung übernahm am 15.01.1957 Herr Dr. H.-H. Retsch. 1962 wurde die gynäkologische Abteilung und die Krankenpflegeschule erweitert sowie eine moderne Neugeborenenstation errichtet. Es folgten weitere Baumaßnahmen wie die Aufstellung des Ostflügels, die Einrichtung eines neuen Laboratoriums, der Bau eines Wohnheimes für die Ordensschwestern und zuletzt die Baumaßnahme: Wohnheim für die freien Schwestern, Krankenpflegeschule mit Schülerinnenwohnheim, Altenheim für Ordensschwestern sowie das neue Waschhaus, das neue Heizwerk und Werkstätten für die Handwerker.

1965 kam Herr Dr. Everke nach Meschede und übernahm die HNO-Abteilung von Herrn Dr. Kampwirth, der seit 1933 - zunächst im alten Haus - die HNO-ärztliche Belegabteilung geleitet hatte und bei den Meschedern sehr beliebt war. Leider verstarb Herr Dr. Kampwirth zwei Jahre später.

Traurige Berühmtheit erlangte das St. Walburga-Krankenhaus über das Sauerland und sogar über die Grenzen Deutschlands hinaus Anfang 1970, als ein Mescheder aus Pakistan die Pocken mitbrachte. 21 Menschen erkrankten zum Teil schwer an dieser in Deutschland schon fast vergessenen Seuche. Drei Patienten und eine Krankenpflegeschülerin sind an der Seuche verstorben. Die meisten Mescheder werden sich noch gut an die Pockenkommission aus Düsseldorf (Dr. Richter und Prof. Ippen), an die groß angelegte Impfaktion im Kreis und an die überschießenden, z.T. hysterischen Reaktionen in Meschede, im Sauerland, in ganz Deutschland und sogar über Deutschlands Grenzen hinaus erinnern.

In den darauf folgenden Jahren haben sich die Ereignisse am St. Walburga-Krankenhaus fast überschlagen. Am 30. Juni 1973 schied Herr Dr. Müller nach 35-jähriger unermüdlicher und aufopferungsvoller Tätigkeit am St. Walburga-Krankenhaus aus. Er war weit über die Grenzen Meschedes bekannt und anerkannt. 1 ½ Jahre später, am 31.12.1974 folgte ihm Herr Dr. Donhuijsen in den wohlverdienten Ruhestand. Er hat sich im gleichen Maße für das Wohl seiner Patienten eingesetzt und sich ungezählte Verdienste erworben. Da sich zur gleichen Zeit auch die inzwischen seit 4 Jahrzehnten am St. Walburga-Krankenhaus tätige Verwaltungsschwester zurückgezogen hat, ist sicher ein wesentlicher unvergesslicher Abschnitt in der Geschichte des St. Walburga-Krankenhauses zu Ende gegangen.

Renovierungen, Umbauten und Umstrukturierungen im Hause haben die weiteren Jahre geprägt; angefangen von der Neuordnung der Röntgenabteilung (1975-1976), dem Einbau einer Intensivstation (1977-1978), der Errichtung einer Dialyseabteilung und einer Nephrologischen Ambulanz (1979-1980) bis hin zur Neuordnung und Erweiterung des Labors (1981-1982), der Sanierung der OP-Abteilung mit Neubau etc.

Auch die in den letzten Jahren durchgeführten Baumaßnahmen (Umbau- und Erweiterung der Dialyseabteilung und der Krankenpflegeschule, Umbau Bettenhaus I mit Einbau von Nasszellen in 4 Etagen, Neubau einer Zentralküche, Errichtung einer neuen Cafeteria sowie einer neuen Entbindungsabteilung, etc.) tragen dazu bei, dass sich das Krankenhaus sowohl baulich als auch technisch auf sehr hohem Niveau befindet.

Bedeutende leitende Mitarbeiter, die am Aufbau und der Erweiterung des St. Walburga-Krankenhauses beteiligt waren, haben mittlerweile ihren wohlverdienten Ruhestand angetreten, so z. B. der ehemalige Verwaltungsleiter und Geschäftsführer Helmut Krampe oder die Chefärzte Herr Dr. Krapp (Innere Medizin), Herr Dr. Boskamp (Chirurgie), Herr Dr. Novatsek (Anästhesie und Intensivmedizin), Herr Dr. Berster (Radiologie), Herr Dr. Ott (Nephrologie und Dialyse), Herr Dr. Aumann (Koloproktologie).

Inzwischen verfügt das St. Walburga-Krankenhaus über 247 Betten, die sich auf 8 Fachabteilungen verteilen (Anästhesie, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Hämatologie/internistische Onkologie, Innere Medizin, Nephrologie/Dialyse, Radiologie) und einer Belegabteilung (HNO). Einzelheiten zu den Abteilungen können auf unseren Internetseiten nachgelesen werden.