Während der Weihnachtsvisite auf Heilig Abend wird Chefarzt Kurt Müller, verantwortlich für die Geburtshilfe sowie gynäkologische Abteilung im St. Walburga-Krankenhaus Meschede, an seine Patientinnen hübsch dekorierte Rosen verschenken. Ein Rundgang, den die Mitarbeiterinnen Nadine Räbber, Andrea Krick und Veronika Wiese (v. l. n.r.) tatkräftig unterstützen.

Weihnachtsvisite: Rosen für die Patientinnen

[21.12.2012]

Es war ein früherer Vorgesetzter, durch dessen Beispiel sich Kurt Müller, ehedem noch Oberarzt in Idar-Oberstein, maßgeblich inspirieren ließ. Sollte er später, schwor sich der junge Mann, selbst federführend im Gesundheitswesen beschäftigt sein, würde die Weihnachtsvisite nach dem gleichen Muster ablaufen. So hatte ihm mächtig imponiert, dass der „Alte“ auf Heilig Abend mitsamt dem diensthabenden Personal in sämtliche Zimmer gegangen war, um dort als Zeichen persönlichen Trostes Rosen zu verschenken.

Inzwischen hat Müller im St. Walburga-Krankenhaus Meschede längst eine der Chef-Positionen inne, leitet dort die Geburtshilfe sowie gynäkologische Abteilung – und setzt am 24. Dezember nun bereits zum fünften Mal nacheinander den alten Vorsatz in die Tat um. Ein feststehender Termin, pünktlich um elf. Jetzt ist er es, der mit großen Bündeln Rosen erscheint. Die Sträuße wurden zuvor in einem örtlichen Blumengeschäft geordert, dort auf seinen Wunsch hin hübsch dekoriert. Begleitet von Kolleginnen/Kollegen, Hebammen und Pflegekräften, beginnen hernach die Besuche bei den Patientinnen.

Beste Genesungswünsche

Jedes Gebinde wird sodann einzeln überreicht, zusammen mit den von der Klinik gestifteten Präsenten - ausgehändigt wiederum mit besten Genesungswünschen. Und oft, so weiß es der routinierte Praktiker aus langer Erfahrung, ergeben sich bei derlei Begegnungen aufschlussreiche Gespräche, zu denen der bisweilen hektische Betrieb ansonsten kaum Gelegenheit bietet. Zeit? Sie spielt keine Rolle. Nebenbei: Dass deswegen die Bescherung daheim in der Familie häufiger erheblich nach hinten rückte, erwähnt er eher am Rande. Denn die Geste an sich ist ihm der Einsatz wert.

„Gerade an dem Morgen ein wenig Freude zu bereiten“, erläutert der 49-Jährige die hiermit verbundene Philosophie, „bin ich mir schuldig.“ Zuwendung, die der Mediziner weitreichend interpretiert - als Ausdruck von Zuspruch, Verständnis, Anteilnahme, gilt es doch dem jeweiligen Gegenüber darüber hinweg zu helfen, das Fest aller Feste nicht zuhause verbringen zu dürfen.

Positive Rückmeldungen

Die Erfahrung, wie anfangs deprimierend es ist, stattdessen in einem Hospital das Bett zu hüten, musste er am eigenen Leibe sammeln – zu Primaner-Zeiten. Eingeliefert mit Verdacht auf internistische Probleme, wurden ihm einst erst nach Neujahr die Entlassungspapiere ausgestellt. „Bei der Gelegenheit habe ich wohl das Gespür dafür entwickelt, was es heißt, während solch bedeutsamer Tage stationär aufgenommen zu sein.“

Weil ihn die vielen, positiven Rückmeldungen darin bestärken, an derlei Visiten tunlichst festzuhalten, wird sich an dem Brauch nichts ändern. Und vielleicht führen ihn ja irgendwann Müllers Assistenten ihrerseits liebevoll fort - siehe oben.