Sorgfältige Detailarbeit: Im Labor des St. Walburga-Krankenhauses Meschede - unser Bild zeigt Leiterin Karin Neuling - werden neben einer Vielzahl anderer Untersuchungen auch mikroskopisch Keime nachgewiesen.

Über dem Durchschnitt: St. Walburga-Krankenhaus erzielt bei der Infektionsprävention gute Noten

[17.12.2012]

15000 Todesfälle sollen es jährlich  sein – Todesfälle, die nach Meinung des ARD-Magazins „Report Mainz“ in der Bundesrepublik angeblich durch Krankenhausinfektionen verursacht werden. So war’s jüngst schlagzeilenträchtig verkündet worden. Eine Berichterstattung aber, die vom Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) deutlich gerügt wurde. Neben „einseitiger, ja sogar falscher“ Darstellung stieß vor allem laut einer jetzt verbreiteten Erklärung, der sich inhaltlich auch die Betriebsleitung des St. Walburga-Krankenhauses Meschede anschloss, die von den TV-Autoren behauptete Zahl auf Kritik - verfügt doch der VKD selbst über seriöses Datenmaterial, anhand dessen sich derartige Schlussfolgerungen „keinesfalls belegen“ ließen. Durch „solche schlecht recherchierten Sendungen“, hieß es in der Stellungnahme weiter, werde die Bevölkerung „massiv verunsichert“. Dabei sei gerade in der Vergangenheit das Bewusstsein für die Notwendigkeit umfassender Infektionsprävention erheblich gestiegen.

Ein Argument, das im Gebäude am Schederweg von Geschäftsführerin Anja Rapos, dem Ärztlichen Direktor Dr. Detlef Drüppel sowie Pflegedirektorin Petra Niermöller voll und ganz geteilt wird. „Die im Alltag eingeleiteten Maßnahmen erzielen längst Wirkung“, betonen sie. Die Drei wissen, wovon sie sprechen – und führen die eigene Klinik als gutes Beispiel an: Dort werden Personen, die in Anbetracht  ihrer individuellen Leidensgeschichte eventuell jene unliebsamen, multiresistenten Bakterien wie MRSA aufweisen, bereits seit mehreren Jahren bei der Aufnahme nach den sogenannten Euregio-Richtlinien systematisch getestet – mittlerweile ein bewährtes Standard-Verfahren.

Intensive Schutzvorkehrungen

Aufgrund vorgegebener Einstufungen des Robert Koch Instituts sind mögliche Risikoprobanden ohnehin rasch auszumachen. Erhärtet sich anschließend der Verdacht, gelten auf der Stelle intensive Schutzvorkehrungen: „Das fängt bei der sofortigen Isolierung an“, ergänzt Guido Austermeier, der für das Sachgebiet Hygiene zuständige Verantwortliche, „endet bei umfassender Überwachung.“ Oberster Ansatz für sämtliche eingeleiteten Schritte: Übertragungen von Mensch zu Mensch auszuschließen. Deshalb versucht man Kontakte zu anderen Patienten tunlichst abzuwenden, damit keine Ansteckung droht.

Engmaschige Kontrolle besteht auch bei denen, die im Hinblick auf ihre jeweilige Symptomatik potenziell gefährdet sein könnten: „Wer etwa ein künstliches Kniegelenk erhält, sich einer Dickdarmoperation oder einem Kaiserschnitt unterziehen muss, der fällt ebenfalls unter diese Form der Erfassung“ – vorsorglich. Interne Audits tragen dann dazu bei, die bei derlei Überprüfungen ermittelten mikrobiologischen Befunde qualifiziert zu analysieren.

Reibungslose Koordination

Ein weiteres Plus: Jede Abteilung verfügt über einen hygienebeauftragten Arzt sowie über zusätzliche Hygienebeauftragte im Pflegebereich - für die Problematik allesamt geschult. Personal eben, das im Falle eines Falles reibungslose Koordination untereinander gewährleistet. Sowieso: Regelmäßige Weiterbildungsveranstaltungen für die Mitarbeiterschaft vervollständigen die intern praktizierten Vorgehensweisen. „Für ein Haus unserer Größenordnung“, bilanzieren Rapos/Austermeier, „lässt sich das gesamte Konzept als recht engagiert bewerten.“

Offiziell bestätigt wird’s jetzt durch Ergebnisse einer europaweit veranlassten Studie über nosokomiale Infektionen. Soll heißen: Im Rahmen der Ausschreibung, an der sich neben dem St. Walburga-Krankenhaus über 130 andere Hospitäler beteiligten, wurde ermittelt, ob sich Patienten während ihres Klinik-Aufenthalts oder durch die erfolgte Behandlung bedingt infiziert hatten. Das Fazit: Innerhalb der direkten Vergleichsgruppe (sie umfasste insgesamt 71 Einrichtungen) schnitt Meschede sogar leicht besser als der Durchschnitt ab.

Überdurchschnittliche Werte

Darüber hinaus förderte die Expertise eine andere Erkenntnis zutage: Im St.Walburga-Krankenhaus werden demnach Antibiotika rezeptiert, die punktgenau auf das Erreger-Reservoir ausgerichtet sind, welches der einzelne Patient aufweist. „Die von uns verwendeten, zudem in einem Leitfaden hinterlegten Wirkstoffe“, erläutert Austermeier, „sind so ausgewählt, dass sie eine hohe Effektivität entfalten.“ Mit anderen Worten: Keime konnten noch keine Resistenzen gegen sie ausprägen. Bezogen auf den erwähnten Feldversuch, wurden abermals überdurchschnittliche Werte erworben.

Zum Hintergrund: Da Antibiotika inzwischen nach Auskunft von Austermeier "allgemein viel zu oft, viel zu schnell, ja selbst in der Massentierzucht" zum Einsatz gelangen, entstehen durch Transformation rasch neue Bakterien, die sich bei pharmakologischen Attacken häufig als widerstandsfähig herauskristallisieren. So wollten die Initiatoren mit ihrer Erhebung auch hierzu gern nähere Details erfahren.

In der Chefetage beurteilt man die Resultate überaus zufrieden. „Wir haben in puncto Hygiene viel unternommen, befinden uns auf dem richtigen Kurs.“