Sie sind auf dem Weg in den Operationssaal des St. Walburga-Krankenhauses, wo beide einen Eingriff am Kniegelenk vornehmen: Chefarzt Dr. Detlef Drüppel (r.) und Oberarzt Dr. Andreas Stratmann.

Präzisionsarbeit: Künstliches Kniegelenk als individuelle Maß-Anfertigung

[13.01.2015]

Millionen Menschen weltweit leiden unter der Volkskrankheit Arthrose: Verschleiß, der sich häufig in den Gelenken rund um das Knie bemerkbar macht - durch anhaltende Schmerzen, zunehmende Bewegungseinschränkungen oder auch reduzierte Gehfähigkeit. Wenn solche Beschwerden im Alltag auftreten sollten, ist es oft unumgänglich, für künstlichen Ersatz zu sorgen. Seit einigen Jahren besteht nun die Chance, neben den gewohnten, etablierten Standard-Prothesen Implantate ganz direkt für den jeweiligen Patienten erstellen zu lassen - Implantate wiederum, die dessen anatomischen Gegebenheiten Rechnung tragen. Ein Verfahren, das im St. Walburga-Krankenhaus Meschede die unfallchirurgische / orthopädische Abteilung unter Leitung von Chefarzt Dr. Detlef Drüppel bereits seit längerem praktiziert.

Bei diesem innovativen Procedere werden nicht nur die notwendigen Schnitt-Schablonen, sondern auch die Anpassungen selbst personenbezogen konfiguriert. „Es handelt sich gewissermaßen“, unterstreicht Dr. Drüppel, „um einen perfekt geschneiderten Maßanzug“ – orientiert an den subjektiven Erfordernissen. Um diese spezielle Ausführung in Auftrag geben zu können, sind allerdings zunächst mehrere durch Computertomographie ermittelte Aufnahmen der Bein-Partien unabdingbar.

Hochmoderne Software

Die aus den CT-Schaubildern ablesbaren Daten werden anschließend dank hochmoderner Software für eine 3-D-Vorlage verwendet, welche sodann als Muster für das spätere, fein abgestimmte Implantat-Modell dient. Die gesamte Anfertigung - sie dauert etwa vier bis sechs Wochen - obliegt einem in den USA ansässigem Unternehmen. Danach erfolgt in der Klinik am Schederweg das endgültige Einsetzen. Auf der Basis schonender OP-Techniken.   

Die Vorteile für den Betroffenen? Sie reichen Oberarzt Dr. Andreas Stratmann zufolge von der exakten Passgenauigkeit bis hin zum weitgehenden Knochenerhalt, der sich - ein wichtiger Nebeneffekt – positiv auf die Genesungsphase auswirkt: Rehabilitationszeiten fallen deutlich geringer aus.  „Um das Risiko postoperativer Probleme zu verringern“, betonen die beiden Fachleute Drüppel/Stratmann, „benutzen wir die individuell generierten Prothesen gern bei außergewöhnlicher Körpergröße oder einer besonderen Knochenform.“ Mit dem Anspruch, dadurch am Ende eine größere Belastbar- sowie Beweglichkeit zu erzielen, werden sie zudem für junge Patienten mit bekanntermaßen hohen sportlichen Ambitionen ausgewählt.

Stabile Absicherung

Um eine bestmögliche stabile Absicherung zu gewährleisten, kommen die Sonder-Fertigungen darüber hinaus nach Knochenbrüchen oder bei Osteoporose zum Einsatz. Aber: Bei höhergradigen Fehlstellungen erweist sich die Variante als ungeeignet – wie überhaupt die Art der Implantation letztlich immer eine Einzelfall-Entscheidung darstellt.

Trotzdem: Dass mit der individuellen Knieprothetik eine neue Qualität der Versorgung erreicht wird, davon sind die Mediziner felsenfest überzeugt. Detaillierter darüber berichten wollen sie am Mittwoch, 4. Februar 2015, im Rahmen einer Informationsveranstaltung, die im Konferenzsaal neben der Caféteria stattfindet. Beginn 19 Uhr – Eintritt frei.