Bei Patient Siegfried Teutenberg ist jüngst die linke Herzohr-Öffnung mit einem sogenannten Occluder verschlossen worden: "Maßarbeit", gilt sein Dank dem Team unter Leitung von Dr. Daniel Gießmann (l.), Chefarzt der kardiologischen Abteilung des St. Walburga-Krankenhauses Meschede.

Occluder dämmt Schlaganfall-Risiko bei Vorhofflimmern ein

[20.09.2015]

Am Morgen nach dem Eingriff sitzt Siegfried Teutenberg kerzengerade im Bett, blättert aufmerksam in mitgebrachten Zeitschriften. „Mir“, versichert der 79-Jährige, „mir geht es blendend. Ich fühle mich bestens.“ Deshalb gebührt der besondere Dank den Medizinern und Pflegekräften, die ihn während der zurückliegenden Tage fachkundig betreuten: „Alle“, lobt der Senior, „haben Maßarbeit geleistet.“ So war ihm Stunden zuvor unter Leitung von Dr. Daniel Gießmann, Chefarzt der Kardiologie des St. Walburga-Krankenhauses, die linke Herzohr-Öffnung mit einem sogenannten Occluder verschlossen worden. Das innovative Verfahren wurde jetzt erstmals in der Klinik am Schederweg eingesetzt.

Teutenberg selbst macht unterdes keinen Hehl daraus: In Anbetracht des schon früher festgestellten Vorhofflimmerns und einem später lokalisierten Blutgerinnsel hatte er schließlich Gießmanns Abteilung aufgesucht, um dort gezielt profunden Rat einzuholen. Daraufhin wurde ihm jene Methode vorgeschlagen. „Da ich in Meschede wohne, kam für mich nur vor Ort ein stationärer Aufenthalt in Frage.“ Etwaige Ängste vor der Mini-OP wusste Gießmann dadurch zu zerstreuen, indem er ausführlich über die einzelnen Behandlungsschritte informierte, anhand eines extra besorgten Modells obendrein anschaulich simulieren konnte, wie er den Hohlraum auszufüllen gedenkt.           

Unregelmäßige Signale

Zum Hintergrund: Vorhofflimmern – es kommt in der Bundesrepublik bei mittlerweile rund einer Million Menschen vor – diagnostizieren  nach den Worten des Chefarztes Mediziner immer dann, wenn „aufgrund unregelmäßiger Signale Herzrhythmusstörungen zu Tage treten“, die als Folge einen deutlich aus dem Takt geratenen Herzschlag bewirken. Das Flimmern in der Vorkammer des Herzens kann in Anbetracht des reduzierten Blutflusses Gerinnsel hervorrufen, die zumeist im linken Vorhofohr, einem eher kleinen, taschenähnlichen  Anhängsel, entstehen.

Sollten sich nun derartige Thromben ablösen und über den Kreislauf zum Gehirn transportiert werden, wo sie Gefäßsysteme blockieren, erleiden die Betreffenden einen Schlaganfall. Um dem wiederum vorzubeugen, erhalten Patienten mit solchen Risiken als Therapie blutverdünnende Präparate verschrieben. Doch nicht jede(r) verträgt die gleich gut, zudem lassen sich zusätzliche Komplikationen - Blutungen beispielsweise - nicht ausschließen. Insofern gilt es für diesen Personenkreis andere Vorgehensweisen auszuwählen.  

Innovatives Verfahren

Das von Gießmann nunmehr angewendete Procedere (Stichwort: Schlüsselloch-Chirurgie) fand in dem seit Dezember 2014 zur Verfügung stehenden Herzkatheterlabor statt. „Über den Zugang durch die Leiste“, schildert der Kardiologe den technischen Ablauf, „wird mittels Katheter zunächst eine Art Miniaturschirm an die entsprechende Stelle des Vorhofohrs navigiert, danach in der Form ausgerichtet, dass er die Ausstülpung bleibend abdichtet.“

Nahaufnahme: Chefarzt Dr. Daniel Gießmann zeigt das Modell jenes Occluders (eine Art Miniaturschirm), mit dem sich die linke Herzohr-Öffnung komplett verschließen lässt.   

Dank der über Monitor eingeblendeten, hochauflösenden Röntgen-Aufnahmen sowie der per Schluckecho (TEE) erhaltenen Ultraschallbilder sind eventuelle Korrekturen bei der Positionierung solange möglich, bis das Verschlusssystem richtig eingefügt ist. Hierdurch wird gewährleistet, dass fortan kein Blutgerinnsel mehr in die Umlaufbahn gelangt, da das Implantat und die Gewebepartien rundherum mit der Zeit zusammenwachsen. „Nach drei Monaten ist schließlich der Moment gekommen, an dem auf die Dauer-Medikation von Blutgerinnungshemmern verzichtet werden kann“, zählt Gießmann einen weiteren Vorteil auf. Teutenberg jedenfalls ist die Erleichterung am Ende deutlich anzumerken: „Was bin ich froh, mir über diese Ursache für Schlaganfälle nicht länger den Kopf zerbrechen zu müssen.“