Bei dem Vor-Ort-Termin in Meschede nutzte NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (2.v.l.) die Gelegenheit, um sich im St. Walburga-Krankenhaus mit Geschäftsführerin Anja Rapos (l.), Pflegedirektorin Petra Niermöller (nicht im Bild) und dem Ärztlichen Direktor Dr. Detlef Drüppel über aktuelle Themen auszutauschen. Den Besuch hatte Mechthild Thoridt (2.v.r.), Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat der Stadt, mitgeholfen zu koordinieren.

NRW-Ministerin Barbara Steffens: Modernes Gesundheitswesen muss effiziente Hilfe sicherstellen

[31.01.2014]

Sprachtests für ausländische Mediziner sollten alsbald bundeseinheitlich ausfallen, dabei quer durch die Republik an den in Nordrhein-Westfalen verlangten, weitaus höheren Standards orientiert sein: Dies hat NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) bei einem Besuch im St. Walburga-Krankenhaus unterstrichen. Angesichts bislang unterschiedlicher Qualifikationslevel dürfe es nicht länger einen „Prüfungstourismus“ in Bundesländer geben, die ein niedrigeres Sprachniveau zur Erlangung der Approbation akzeptierten.

„Ärztinnen und Ärzte müssen nicht nur angemessen kommunizieren, sondern sich auch schriftlich sachgemäß ausdrücken können“, erklärte die Ministerin. Um zu gewährleisten, dass elementare Berufsvoraussetzungen erfüllt würden, seien analoge Regelungen unverzichtbar. Ein Statement, das in den Reihen der Gesprächspartner, allesamt Mitglieder der Betriebsleitung, gleich auf Zustimmung stieß. Angesichts mehrerer Vor-Ort-Termine nutzte Steffens – begleitet von einer kleinen Delegation hiesiger Parteifreunde unter Leitung der Fraktionsvorsitzenden Mechthild Thoridt – die Gelegenheit, um mit Geschäftsführerin Anja Rapos, Pflegedirektorin Petra Niermöller sowie dem Ärztlichen Direktor Dr. Detlef Drüppel aktuelle Anliegen zu bereden.

Strukturelle Eckdaten

Ein anderes, zentrales Thema beschäftigte die Runde ebenso: der Krankenhausrahmenplan 2015. Von der Landesregierung beschlossen, enthält er vor allem mit Blick auf die zu erwartenden demographischen Entwicklungen neue Prämissen. Und sieht - neben dem deutlichen Abbau von Kapazitäten - qualitative sowie strukturelle Eckdaten für die rund 385 Einrichtungen an Rhein und Ruhr vor. Dabei beschränken sich die Ausführungen auf Rahmenvorgaben - ohne Aussagen zu Einzelstandorten.

Die konkreten Parameter jetzt bedarfsgerecht und leistungsfähig festzulegen, wird in den nun beginnenden Verhandlungen über regionale Planungsansätze unter Beachtung der 16 Versorgungsgebiete erfolgen. Dass die Kreisstadt-Klinik als wohnortnaher Anbieter auch bei der künftigen Ausrichtung wesentliche Aufgaben innerhalb flächendeckender Konzepte übernimmt, war für die Politikerin nachvollziehbar.

Darüber hinaus wurde in dem Kreis die Problematik der Investitionsfördermittel angesprochen. Nach Auskunft von Rapos reichen sie „noch nicht einmal für den Substanzerhalt“ aus, gleichwohl erkenne man aber das Bemühen des Landes, die Zuschuss-Summen trotz knapper Kassen stabil zu halten. In der Erwiderung machte Steffens deutlich, dass die „beträchtliche Dichte“ an Hospitälern, besonders in Ballungsgebieten, dazu führe, bereitgestellte Zuwendungen zwangsläufig auf viele zu verteilen.

Seriöse Recherchen

Bei dem Treffen wurden auch die jüngst schlagzeilenträchtig veröffentlichten Zahlen zu den angeblich pro Jahr in Deutschland durch Behandlungsmängel verursachten schätzungsweise 19.000 Todesfällen diskutiert: „Mit solch undifferenzierten Behauptungen kriminalisiert man schlichtweg ganze Berufsgruppen“, rügte Dr. Drüppel den aus seiner Sicht verheerenden Duktus der Beiträge. Um Patientinnen und Patienten nicht „massiv zu verunsichern“, habe gerade bei der Dokumentation sensibler medizinischer Inhalte große Sorgfalt zu walten, argumentierte der Unfallchirurg – und war sich bei der Forderung nach seriösen Recherchen mit Steffens einig. Bei derart missverständlichen Fehl-Informationen, ergänzte Rapos, „müssen die Krankenhaus-Fachverbände noch vernehmbarer Gegenposition beziehen.“

In Anbetracht der enormen Anstrengungen beim Aufbau eines modernen Gesundheitswesens, welches „schnelle, zuverlässige, obendrein effiziente Hilfe“ ermögliche, plädierte Steffens abschließend für das „konzertierte Zusammenwirken“ aller im System beteiligten Akteurinnen und Akteure. Statt – wie in der Vergangenheit mehrfach passiert – „sich voneinander abzugrenzen“, bedürfe es umso mehr gemeinsamer, komplexer Lösungsansätze. Hierfür unabdingbar: die enge Vernetzung zwischen stationären, ambulanten, rehabilitativen sowie pflegerischen Angeboten. Auch den besonderen Herausforderungen, die Menschen z.B. mit Behinderungen, auf Grund steigender Zahlen Hochbetagter oder wegen Demenzerkrankungen für das Krankenhaus darstellten, müsse man sich zunehmend mit geeigneten Programmen widmen.

Vorwärtsweisende Beschlüsse

Auf der Verwaltungsetage am Schederweg wurden in puncto Zusammenarbeit bereits 2012 die richtigen, vorwärtsweisenden Beschlüsse gefasst: So erinnerte Rapos an die seitdem unter einem Dach existierende Kooperation mit der Dialysepraxis Hochsauerland. Ihren Worten zufolge hat sich das Modell in der Praxis längst bewährt, weitere werden folgen.