"Frauenversteher" Carsten Höfer, bundesweit erfolgreicher Kabarettist und Buchautor, hatte das Publikum in der nahezu vollbesetzten Caféteria des St. Walburga-Krankenhauses Meschede schnell auf seiner Seite: Die während der rund zweistündigen Lesung abgefeuerten Pointen des Bühnen-Profis sorgten für herzhafte Lacher.
Nach den ersten Episoden legte Kabarettist Carsten Höfer das Buch schnell beiseite: Statt die im Bestseller-Band niedergeschriebenen Geschichten einfach nur vorzutragen, spielte er etliche Programm-Highlights livehaftig nach. Stegreif-Szenen, bei denen der Mittvierziger manch witziges Kabinettstückchen ablieferte.

Nachhilfe vom "Frauenversteher": Amüsanter Kabarett-Abend im Klinik-Café

[11.06.2014]

Die Arme. Sehnlichst hatte sie sich auf das Schwesterchen gefreut – und plötzlich dieser Schock. Da lag irgendwann ein Junge in der Wiege, ein richtig kleiner Junge. Strategisch verweiblicht wurde Bruderherz von der Sechsjährigen aber trotzdem. Deshalb lernte er schon früh wie ein Mädchen zu fühlen, zu reden, zu handeln. So fing sie einst an, die Karriere als „Frauenversteher“ –  jenes Markenzeichen, das aus Carsten Höfer den inzwischen bundesweit erfolgreichen Kabarettisten und Stand-Up-Comedian werden ließ. In der nahezu vollbesetzten Caféteria des St. Walburga-Krankenhauses lieferte der 1,96-Meter-Hüne  jetzt den schlüssigen Beweis: Wenn jemand etwas Gescheites über die Tücken zwischenmenschlicher Verständigung zu berichten hat, dann er.  

Was zunächst mit einer Lesung kurzweiliger, heiterer Episoden beginnt, entwickelt sich im Laufe der Veranstaltung schnell zur furiosen Nachhilfestunde. Aufgrund der eigenen Feldstudien weiß der Charmeur auf dem Podium nur zu genau, warum Damen und Herren in mancherlei Beziehung grundverschieden ticken. Beispiel Haushalt: Während SIE auf die beim Gurkenschälen erlittene Schnittwunde professionell reagiert, per Pflaster die Blutung stillschweigend stoppt und anschließend wieder unverdrossen schnippelt, macht ER das große Drama daraus. Beispiel Fernsehabend: Während SIE das Geschehen auf der Mattscheibe beiläufig mitverfolgt, zwischendrin  munter in der Zeitung blättert, mit dem Partner zusätzlich den Plausch anzettelt und sogar noch die beste Freundin anrufen würde, schützt er den hochkonzentrierten Betrachter vor, der am liebsten ungestört bleiben möchte. Beispiel Kneipenbesuch: Während SIE im Kreis der Altersgenossinnen  locker schwadronierend mehrere Aspekte gleichzeitig abhandelt, fühlt ER sich bereits überfordert, sobald der Stammtisch nicht nach festen Regeln funktioniert: Ein Thema, klare Gesprächsstrukturen, Prost! Ohnehin: Bekommt die Biernebenhöhle keinen Nachschub, droht das maskuline Artikulationszentrum zu kollabieren. Das Publikum feixt vor Wonne.

Gewiefter Erzähler

Höfer, der Pfiffikus, hat die Rolle des Rezitators längst abgestreift, das Buch beiseite gelegt. Statt die dort niedergeschriebenen Geschichten vorzutragen, spielt er die Highlights - durch die immer gelöstere Atmosphäre im Saal förmlich angestachelt – nun livehaftig nach. Stegreif-Szenen, bei denen der Mittvierziger zur Höchstform aufläuft, unterdes weitere Begabungen zeigt: die des detailverliebten Beobachters sowie gewieften Erzählers. Momente voller Situationskomik, geprägt durch viel Witz und Esprit.

Famos, wie der Satiriker alltägliche Geschlechter-Klischees mit schonungsloser Offenheit seziert oder typische Verhaltensgewohnheiten genüsslich veräppelt, hierfür en masse die Brüller erntet. Das Schöne daran? Weder bedient er sich billiger Plattitüden noch verletzen die Gags den guten Geschmack. Ganz im Gegenteil: Der frühere Germanistikstudent, ein Wortakrobat par excellence, treibt seinen Jux auf  intelligentem, geistreichem Niveau – zuweilen sehr ambitioniert.

Nützliches Bonusmaterial

Den Gästen behagt die Art: „Ich amüsiere mich köstlich“, bekennt die extra aus Schmallenberg angereiste Zuhörerin, „das Programm ist lustig, abwechslungsreich “ Und die Altenpflegerin, gemeinsam mit Kolleginnen zum Ablachen erschienen, prophezeit für das bevorstehende Cliquentreffen genügend Diskussionsstoff: „Unter uns Mädels“, verrät sie mit hintergründigem Schmunzeln, „werden wir manches zu bequatschen haben.“ Zumal der Bühnen-Profi neben erstklassigem Entertainment nützliches Bonusmaterial bietet: Damit Ehegatten nach dem Friseurtermin der Partnerin kein zweites Mal gedankenlos durch die gerade frisch ondulierte Haarpracht wuseln und dabei den neuen Look glatt übersehen, stellt der Experte niedliche Erinnerungsposter zum Downloaden bereit. In der Wohnung rechtzeitig an geeigneten Stellen aufgehängt, sollen die Tipps eben solche Fettnäpfchen tunlichst zu verhindern helfen. Einer von etlichen, praxisnahen Ratschlägen, die laut Höfer unter Paaren wahre Wunder bewirken. Bravo, ein Gentleman wie er denkt eben an alles!

Kräftiger Schlussapplaus, Zugabe – danach verteilt der Kavalier die Autogramme.