Eine stolze Tradition: Nunmehr im 55. Jahr besucht der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Meschede auf Heilig Abend auch das St. Walburga-Krankenhaus, um dort Patienten, Mitarbeiter, Ordensschwestern mit einer Auswahl der beliebtesten Weihnachtslieder auf die bevorstehenden Festtage einzustimmen.

Musikzug sorgt seit 55 Jahren für festliche Weihnachtsstimmung

[18.12.2012]

Warten auf das Christkind – die Kindheitserinnerung. Doch zuweilen fanden Bescherungen in der Familie von Herbert Bürger erst zu späterer Stunde statt. „Gelegentlich“, erzählt er mit breitem, vielsagenden Schmunzeln, „packten wir gegen halb neun unsere Geschenke aus.“ Zuvor waren – mit Ausnahme der Mutter - vom Vater bis zu den Geschwistern noch alle eifrig beschäftigt. Im Dienst der Allgemeinheit. 

Seinerzeit hat der Junior gelernt, was es heißt, christliche Nächstenliebe zu praktizieren: Als Mitglied im Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Meschede half er an der Seite der Angehörigen kräftig mit, jenen Personen ein würdiges Ständchen zu bringen, die das schönste sämtlicher Feste nicht in den eigenen vier Wänden feiern konnten. „Eine Erfahrung“, beteuert der Mittdreißiger, „die mich nachhaltig prägte.“ Das Bedürfnis, andere durch Konzerte zu begeistern, wurde deshalb für ihn schon früh zur Selbstverständlichkeit. Inzwischen steht er dem Musikzug gar als Chef vor, übernimmt mit der Position des Dirigenten gleich mehrfach Verantwortung.

Gefühlsbetonte Atmosphäre

Einer der damaligen Auftritte führte die Formation regelmäßig ins St. Walburga-Krankenhaus sowie zu den Ordensschwestern des angrenzenden Euthymia-Wohnheims. „Hier“, weiß Bürger, „empfing man uns stets mit offenen Armen.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert: Pünktlich gegen 14 Uhr wird in der Kapelle Pflegedirektorin Petra Niermöller das Ensemble aktuell begrüßen, bevor anschließend eine Auswahl der gängigsten, obendrein beliebtesten Klassiker zu hören ist – zum Mitsingen gedacht. So zählen Lieder wie „O du fröhliche“, „Süßer die Glocken“ , „Tochter Zion“ oder „Stille Nacht“ zum Repertoire des Orchesters – eben Volksweisen, die der gefühlsbetonten Atmosphäre des Heiligen Abends gerecht werden. Wer will, kann sich das Programm über den hauseigenen Sender ins Patientenzimmer übertragen lassen.

Hernach brechen die Akteure zu ihrer kleinen, fünf bis sechs Standorte umfassenden Rundreise auf – hin zu den übrigen, gemeinnützigen Einrichtungen Meschedes. Die Charity-Aktion klingt dann auf dem Platz vor der Stadt-Kirche aus - bei einem heißen Schlückchen Apfel-Punsch. „Fortan“, weiß der Mann mit dem Taktstöckchen, „sind Stress und Hektik der Adventswochen vergessen, jeder darf sich ab sofort der besonderen Weihnachtsstimmung widmen.“     

Symbolträchtiger Tag

Die Idee, sozialen Institutionen an diesem symbolträchtigen Tag ganz bewusst einen Besuch abzustatten, um dadurch die jeweilige Zuhörerschar aufzumuntern, geht auf den ehemaligen Musikzug-Leiter Georg Zinngräbe zurück, einer von Bürgers Vorgängern im Amt. Nachdem dessen Gesangsverein die Klinik anno 1957 bereits aus ähnlichen Motiven aufgesucht hatte, kam ihm rasch der Gedanke in den Sinn, es dem Vorbild der Chorgemeinschaft gleich zu tun. Das Vorspielen im Gebäude am Schederweg gilt seitdem als wiederkehrender Termin -  nunmehr im 55. Jahr.    

„Ein schöner Brauch, an dem niemand rütteln mag“, nimmt Bürger gern in Kauf, am 24. Dezember wie einst zu frühen Jugendtagen weiter restlos verplant zu sein - verplant für die gute Sache. „Wenn ich sehe, welche Freude wir dem Publikum damit letztlich bereiten, hat sich der Einsatz gelohnt.“