Beide haben "Wilsberg" zum Markenzeichen gemacht: Schauspieler Leonard Lansink, dessen Samstagabend-Serie stets ein Millionenpublikum vor den Bildschirm lockt, und Krimi-Autor Jürgen Kehrer (r.), der einst die Titelfigur erfand. Am Freitag, 1. Februar, liest der Schriftsteller im St. Walburga-Krankenhaus Meschede aus neuen Geschichten (Foto: Stadtpresseamt Münster Joachim Busch).

Krimi-Autor Jürgen Kehrer: "Wilsberg hat das Herz am richtigen Fleck"

[27.01.2013]

Krimi-Stunde im St. Walburga-Krankenhaus Meschede: Am Freitag, 1. Februar, ab 18.30 Uhr kommt der als „Wilsberg“-Erfinder bundesweit bekannt gewordene Schriftsteller Jürgen Kehrer zur Autorenlesung in die Caféteria (Eintritt frei). Bereits im Vorfeld der Veranstaltung stand er für ein Interview Rede und Antwort.

Ein interessanter Werdegang: Sie haben einst Erziehungswissenschaften studiert, sind danach aber ins journalistische Fach gewechselt. Und arbeiteten vor der jetzigen Tätigkeit als freier Schriftsteller erfolgreich für ein alternatives Citymagazin. Ist das Schreiben Ihre persönliche Domäne?

Kehrer: Ja, Schreiben war schon immer meine Leidenschaft. In meiner Jugend habe ich Science-Fiction-Hörspiele verfasst und mit meinen Freunden und einem Kassettenrekorder selber inszeniert. Beim Journalismus habe ich vor allem die Rollen-Reportagen geliebt. Aber ich musste erst das gesetzte Alter von dreißig erreichen, um mich wieder an Prosa zu trauen.

Im Jahr 1990 erschien „Und die Toten lässt man ruhen“ – jener Band, in dem sich Privatdetektiv Georg Wilsberg erstmals als Schnüffler zu bewähren hatte. Verraten Sie es uns: Was hat Sie damals bewogen, ins Krimi-Genre einzusteigen?

Kehrer: Ach, so weit entfernt vom Journalismus ist die Kriminalliteratur gar nicht. Auch als Krimiautor muss man Themen gründlich recherchieren, mit Experten reden, sich Gedanken über die Beweggründe der Handelnden machen, das Ganze in eine lesbare Form bringen. Allerdings hat ein Kriminalroman gegenüber einem journalistischen Text über - sagen wir mal - kriminelle Machenschaften einen großen Vorteil: Als Schriftsteller muss ich nicht für jeden Satz, den ich schreibe, einen juristisch abgesicherten Beleg beibringen.

Inzwischen brachte es die von Ihnen erfundene Titelfigur des kauzigen Ermittlers zum Samstagabend-Helden im ZDF, der bei jeder Folge ein Millionenpublikum vor den Bildschirm lockt. Weshalb ist dieser Typ bei den Fernsehzuschauern derart beliebt?

Kehrer: Da kann ich nur Vermutungen anstellen. Ich glaube, Wilsberg ist so beliebt, weil er so normal ist. Er ist kein Superheld, nicht mal wahnsinnig intelligent, er sieht nicht so gut aus wie James Bond und ist auch nur halb so schnell. Aber er ist hartnäckig, hat das Herz am richtigen Fleck und trägt sein Schicksal mit einer gehörigen Portion Humor. So wie wir – wenn wir gut drauf sind.

Besteht die Gefahr, dass Wilsbergs Geschichten eines Tages zu Ende erzählt sind? Oder anders: Gibt es bereits genügend neue Ideen, um den Mann weiter auf spannende Spurensuche zu schicken?

Kehrer: Bei den Wilsberg-Romanen habe ich ja tatsächlich eine Pause gemacht, jetzt im Frühjahr erscheint der Kriminalroman „Münsterland ist abgebrannt“ mit einem münsterschen Polizisten als Hauptfigur. In der Zwischenzeit habe ich aber weiter Drehbücher für die Wilsberg-Fernsehreihe geschrieben. Obwohl ich Wilsberg mag und er mich über Wasser hält, möchte ich nicht ausschließlich Wilsberg-Autor sein.

Sie sind mit der Kollegin Sandra Lüpkes verheiratet, einer ebenfalls bekannten Krimi- und Sachbuchautorin. Kann es da passieren, dass schon morgens beim Frühstück munter über die jeweiligen Handlungsstränge gefachsimpelt wird?

Kehrer: Wir reden selten über die Inhalte unserer Texte, an denen wir gerade arbeiten, das Manuskript bekommt der andere erst zu sehen, wenn es halbwegs fertig ist. Aber es gibt trotzdem genug Aspekte des Schriftsteller-Daseins, über die wir regelmäßig sprechen: vom angefeindeten Urheberrecht über Entwicklungen im Krimisektor bis hin zu Lesungsterminen, gelegentlich treten wir ja auch zusammen auf.

Aufgrund der Wilsberg-Reihe erlangte Ihre Heimatstadt Münster als TV-Kulisse bundesweite Aufmerksamkeit – bevor dort das „Tatort“-Duo mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers zu drehen begann. Hat sich der Oberbürgermeister mitsamt seiner Marketing-Abteilung bei Ihnen für die PR-Unterstützung bedankt … ?

Kehrer: Das Stadtmarketing ist, glaube ich, ganz glücklich über das Image als Krimistadt. Jedenfalls präsentiert sich Münster jetzt schon zum zweiten Mal auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin unter diesem Motto. Und ich bin auch schon zum zweiten Mal nach Berlin eingeladen worden. Wenn das kein Dank ist …