Krankenhäuser wehren sich gegen Kostenanstieg

[25.04.2012]

Die Krankenhäuser in Deutschland geraten durch die gesetzliche Finanzierungssystematik zunehmend in eine prekäre Situation und wirtschaftliche Schieflage. Tariflich bedingte Personalkostensteigerungen werden die Einrichtungen in NRW allein in 2012 mit 400 Millionen Euro Mehrkosten belasten – Sachkostensteigerungen z. B. für Energie sind darin noch gar nicht enthalten. Dem gegenüber stehen Budgetzuwächse von lediglich rund 105 Millionen Euro – das heißt, die Politik lässt hier die Krankenhäuser und ihre Beschäftigten im Stich. Auch das St. Walburga-Krankenhaus Meschede wehrt sich nun gemeinsam mit den anderen Krankenhäusern aus NRW. Die von der Krankenhausgesellschaft NW (KGNW) initiierten Öffentlichkeitsmaßnahmen gipfeln in eine Protestveranstaltung am 25. April in Düsseldorf.

Die große Lücke, die Jahr für Jahr zwischen den gedeckelten Einnahmezuwächsen und den realen Kostensteigerungen klafft, kann nicht länger hingenommen werden.
Als Kernbereich der Gesundheitswirtschaft in NRW sind die 404 NRW-Krankenhäuser mit einem Jahresumsatz von ca. 14 Milliarden Euro, rund 230.000 Beschäftigten und 18 000 Auszubildenden auch im internationalen Vergleich effizient und kostengünstig wie kaum in einem anderen Land. Damit das so bleibt und die Mitarbeiter weiterhin einen maßgeblichen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer wohnortnahen Krankenhausversorgung auf hohem Qualitätsniveau für die Bürger in NRW leisten können, fordern die Häuser nun nachdrücklich die Refinanzierung der jährlichen Personalkostensteigerungen und die Umsetzung des bereits gesetzlich verankerten Orientierungswerts. Hier richtet sich die Forderung insbesondere an die Kandidatinnen und Kandidaten der NRW-Parteien zur Landtagswahl, sich aus NRW heraus in Berlin für die Belange der Krankenhäuser und ihrer Beschäftigten einzusetzen.

Das St. Walburga-Krankenhaus folgt dem Aufruf der KGNW und macht auf die desaströse Situation in Form von Plakaten, Briefen an die Politiker vor Ort und Mitarbeiter-Rundschreiben aufmerksam. Zudem schickt das Haus eine Delegation von Mitarbeitern am 25. April zur Protestveranstaltung nach Düsseldorf. „Es ist höchste Zeit, dass sich die Krankenhäuser gegenüber der Politik nachdrücklicher zu Wort melden. Wir haben leider nur sehr bedingt den Eindruck, dass die Krankenhäuser als wichtige Akteure im Gesundheitswesen mit ihren Belangen entsprechend ernst genommen werden“, sagt Geschäftsführerin Anja Rapos.

Die Politik muss erkennen, welch wichtiges Gut sie mit funktions- und leistungsfähigen Krankenhäusern für die über 4 Millionen Patienten allein in NRW hat. 1 Milliarde Euro an Kürzungen bundesweit bringen die Krankenhäuser in Not. 250.000 Arbeitsplätze in den Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen müssen für eine weiterhin qualitativ hochwertige Patientenversorgung erhalten bleiben. 24 Stunden am Tag sichern die Mitarbeiter die medizinische Versorgung, wobei die Ansprüche an die Qualität der Leistungserbringung ständig steigen. Hier muss die Regierungskoalition jetzt finanzielle Hilfen beschließen, denn das Gesundheitswesen braucht qualifizierte und motivierte Beschäftigte. Ohne ausreichende Finanzierung laufen die Kliniken in die groteske Situation, einerseits Bedarf an  Ärzten und Pflegekräften zu haben, aber gleichzeitig aus Finanzierungsnöten eher Mitarbeiter freisetzen zu müssen.