Zwei versierte Operateure, die viel zu berichten hatten: Chefarzt Dr. Detlef Drüppel (r.) sowie Oberarzt Dr. Andreas Stratmann. Beim jüngst veranstalteten Patientenforum der unfallchirurgischen / orthopädischen Abteilung des St. Walburga-Krankenhauses standen die beiden Mediziner den Besuchern ausführlich Rede und Antwort.

Kniegelenke waren das große Thema: Riesen-Andrang beim Patientenforum

[12.02.2015]

Alle 120 im Konferenzraum des St. Walburga-Krankenhauses aufgereihten Stühle waren bereits zwanzig Minuten vor Beginn der Veranstaltung besetzt. Kurzfristig wurde durch Helfer Nachschub aus der benachbarten Cafeteria besorgt. Und trotzdem mussten Besucher noch mit einem Stehplatz vorlieb nehmen: Der Andrang beim jüngst organisierten Patientenforum, das sich mit dem Thema „Das Knie macht nicht mehr mit: Was tun? Wird zu viel operiert?“ befasste, übertraf sämtliche Erwartungen. Besonders Referent Dr. Detlef Drüppel, Chefarzt der unfallchirurgisch-orthopädischen Abteilung, freute sich über das große Interesse an seinem Vortrag.

Drüppel ging dabei auf die Entstehung von Knieschmerzen ein, er erklärte die anatomischen und für Laien oftmals komplizierten Strukturen eines Gelenks. Darüber hinaus wurden auch aktuelle diagnostische Möglichkeiten beschrieben, um krankhafte Veränderungen an Knorpel und/oder Knochen zu erkennen.

Moderne OP-Methoden

Immer wieder keimte seitens der Gäste die Frage auf, wann der richtige Zeitpunkt für eine Operation gekommen sei – ein Aspekt, mit dem sich der Mediziner intensiv beschäftigte. Zugleich wurde die Überlegung angestellt, ob in diesem Fachgebiet zu viel operiert werde. Nach Drüppels Ansicht sollten zunächst alle zur Verfügung stehenden konventionellen Mittel der Diagnose wie z.B. MRT-Untersuchung (bildgebendes Verfahren ohne Strahlenbelastung) genutzt werden. Erst dann sei eine Spiegelung des Kniegelenkes (Arthroskopie) vorzunehmen. Mit dieser modernen OP-Methode lässt sich zum einen während der OP das Kniegelenk mit Knochen, Knorpel und Bändern im Innern betrachten, zum anderen können durch mittlerweile moderne technische Entwicklungen - je nach Art und Lage der Veränderungen - auch kleine bis mittlere „Reparaturarbeiten“ im Kniegelenk sofort ausführt werden.

Die Überlegung, ab wann es sinnvoll sei, ein künstliches Kniegelenk (entweder teilweise oder komplett) zu implantieren, beantwortete Drüppel in der Weise: „Die Endoprothese wird von uns Orthopäden dann vorgeschlagen, wenn Knochen oder Knorpel sich soweit degeneriert haben, dass keine andere Lösung sinnvoll erscheint. Letztlich ausschlaggebend ist die weitere Lebensqualität der Betroffenen. Sind Schmerzen und Einschränkungen auf Dauer nicht mehr hinzunehmen, sollte man sich für  eine Prothese entscheiden.“

Nützliche Tipps

Nach seinen Ausführungen und der sich anschließenden Diskussionsrunde im Plenum standen sowohl Dr. Drüppel als auch Oberarzt Dr. Andreas Stratmann für die zahlreichen Nachfragen der Gäste noch über eine Stunde lang zur Verfügung. Ausgiebig beraten wurden die Zuhörer vor und nach dem Vortrag auch an den im Klinik-Foyer aufgebauten Info-Ständen der hauseigenen Physiotherapie sowie Ernährungsberatung. Nützliche Tipps zum Abnehmen - um den Druck von oben auf das Kniegelenk zu reduzieren – sowie Maßnahmen für Sport und Alltag zur Stärkung der Kniegelenksmuskulatur gehörten u.a. zum Angebot.

Im Jahr 2015 werden sich die nächsten Patientenforen der Kreisstadt-Klinik inhaltlich vor allem mit bekannten Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen beschäftigen. Doch darf man nicht auch – im Hinblick auf die immense Anzahl Betroffener mit Knieschmerzen in Deutschland sowie auf die beachtliche Besucherquote während der Informationsveranstaltung – schon bei diesem Krankheitsbild von einer weiteren Volkskrankheit sprechen?