Sein Vortrag fand aufmerksame Zuhörer: Vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des St. Walburga-Krankenhauses informierte Dr. Horst Luckhaupt, Vorsitzender des Diözesanethikrates, über die Aufgaben und Zielvorstellungen des von ihm geleiteten Gremiums. Zur Informationsveranstaltung eingeladen war er u.a. von Kirsten Hardekopf (l.) und Theresia Brüggemann, Vorstandsmitglieder des klinikinternen Ethikkomitees.
Dr. Horst Luckhaupt, Vorsitzender des Diözesanethikrates im Erzbistum Paderborn, zugleich einer der leitenden Chefs des Dortmunder Johanneshospitals, brachte Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des St. Walburga-Krankenhauses Meschede als gestandener Praktiker mit langer Berufstätigkeit anschaulich einschlägige Problemstellungen aus dem Klinikbetrieb näher.
Im Konferenzsaal des Krankenhauses hatten sich zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer eingefunden, um die Ausführungen von Dr. Horst Luckhaupt, dem Vorsitzenden des Diözesanethikrates, zu verfolgen.

Experte Dr. Luckhaupt rät Mitarbeitern: In Grenzsituationen helfen Ethikkomitees bei der persönlichen Orientierung

[17.04.2013]

Ist es die Reflexion über Moral oder eine Rationalitätsüberprüfung medizinischer Systeme? Sicherlich beides - Nachdenken über Ethik stelle aber vor allem den Versuch dar, anhand normativer Prinzipien ein „Gedankengebäude“ zu schaffen, das fortan persönliches Handeln maßgeblich beeinflussen könne: So lautete eine der Kernthesen, die Dr. Horst Luckhaupt, Vorsitzender des Diözesanethikrates im Erzbistum Paderborn, obendrein einer der leitenden Chefs des Dortmunder Johanneshospitals, vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des St. Walburga-Krankenhauses Meschede während einer jüngst organisierten Informationsveranstaltung benannte.  

Als gestandener Praktiker mit langer Berufstätigkeit brachte er dem Publikum anschaulich einschlägige Problemstellungen aus dem Klinikbetrieb näher. Häufig genug, so der Tenor, handle es sich um Anlässe, bei denen beispielsweise das Recht auf Selbstbestimmung des Individuums einerseits mit Therapie-Vorschlägen der Ärzteschaft andererseits kollidiere. Bisweilen, fügte der Experte hinzu, prallten dann Positionen kontrovers aufeinander. 

Paradigmenwechsel

Sein Hinweis? Wer da aus den Reihen des Personals im Widerstreit der Meinungen Hilfe benötige, um Grenzentscheidungen intensiver abklären zu lassen, dürfe sich immerzu Unterstützung holen und sogenannte Fallbesprechungen beantragen. „Eine der wesentlichen Aufgaben, mit denen sich Ethikkomitees befassen“, warb er verstärkt um deren Einbindung. Sie waren in den Neunzigern landauf  landab gegründet worden, um fortan noch sensibler auf Patientenbelange reagieren zu können. Den damit einhergegangenen Paradigmenwechsel umschrieb Luckhaupt mit der eingängigen Formel „Wille vor Wohl“. Soll heißen: Der mündige Patient, er ist das Maß der Dinge.

„Jede(r) von ihnen“, ermunterte er das Auditorium zur Gewissenserforschung, „kann einen solchen Termin anregen, wenn er sich und das eigene Tun etwa bei Konfliktsituationen hinterfragt haben möchte.“ Durch geschulte Moderatoren angeleitet, werde dann unter Abwägung der von den hinzugebetenen Professionen genannten Standpunkte eine dem jeweiligen Einzelschicksal  zugeordnete gemeinsame Lösung angestrebt. Sie, die vom gesamten Gremium vertretene Empfehlung, sei oberste Prämisse - frei jedoch von jedweder Bevormundung oder Besserwisserei. „Denn niemand“, betonte der Gast nachdrücklich, „soll sich belehrt fühlen“ - vielmehr bestehe das Ziel darin, verwertbare Verhaltensmuster anzubieten. Für den gegenseitigen Gedanken-Austausch innerhalb der Runde würden maximal 45 Minuten vereinbart. Zeitliche Begrenzungen wären allein schon deshalb notwendig, um die Erörterung nicht ausufern zu lassen. Weiterer Vorteil: „Bedingt durch das Limit, wird bei den Begründungen auf den Punkt genau argumentiert.“

Kostendruck

Lediglich dreimal in circa acht Jahren, berichtete der Referent über Erfahrungen aus der Ruhrgebietsmetropole, hätten Diskussionen zu keinem Konsens geführt. Dafür aber fanden etliche der publizierten Orientierungshilfen zu aktuellen Themen wie „Künstliche Ernährung“ oder „Abbruch einer Beatmung“ draußen ein umso größeres Echo.

Dass angesichts knapper finanzieller Ressourcen ökonomische Interessen zunehmend ethische Belange zu überlagern drohen, machte Luckhaupt zum Schluss des Vortrags deutlich. Und schilderte die Leidensgeschichte eines krebskranken Mannes, dessen dringend erforderlich gewordene neue Herzklappe im Hinblick auf den mittlerweile unheilbaren Lungentumor zahlreiche kritische Anfragen zur Notwendigkeit solch einer Operation ausgelöst hatte. „Überlegungen“, betonte er, „die früher nicht an uns herangetragen wurden.“ Vor dem Hintergrund wachsenden Kostendrucks innerhalb des Gesundheitswesens endeten seine Ausführungen mit dem Appell an die Politik, hier für „bessere Rahmenbedingungen“ zu sorgen.