Der von Chefarzt Dr. Daniel Gießmann seinem Patienten Sören Goesmann (r.) empfohlene Event-Recorder ist nicht größer als ein gewöhnlicher USB-Stick. Das Gerät wird allgemein eingesetzt, um etwaige Herzrhythmusbeschwerden minutiös aufzuzeichnen.

Event-Recorder und EKG-Karten: Moderne Technologien liefern Kardiologen wichtige Hinweise

[03.07.2014]

Herzklopfen, Herzrasen, Herzstolpern: Herzrhythmusstörungen sind häufig Auslöser dafür, warum sich Betroffene an Kardiologen wenden. Aber nicht jede derartige Auffälligkeit ist mit der anderen vergleichbar: „Man muss schon“, betont Dr. Daniel Gießmann, Chefarzt der Fachabteilung des St. Walburga-Krankenhauses, „ein ganzes Potpourri an unterschiedlichen Erkrankungen unterscheiden, um gezielt reagieren zu können.“ Deshalb präferiert er jene modernen Verfahrensweisen, die dank fortschreitender Entwicklungen noch aussagekräftigere, detailliertere Diagnosen ermöglichen. Dabei wird sich u.a. der Hilfe von „Event-Recordern“ bedient. Vergleichbar einem Mini-Computer, der - neben dem Brustbein unter der Haut implantiert - etwaige Herzrhythmus- oder Kreislaufunterbrechungen minutiös dokumentiert. Die gesammelten Daten, sie lassen sich hernach in der Klinik exakt auslesen.   

„Mitsamt meinen Kolleginnen und Kollegen“, erläutert Gießmann die Hintergründe für das gewählte Procedere, „stehe ich etliche Male vor dem Problem, dass zu den geklagten Beschwerden der objektivierbare Befund fehlt. Denn die Unregelmäßigkeiten tauchen in den seltensten Fällen während der jeweiligen  Untersuchung auf.“ Oft, so weiß er aus langjähriger Berufspraxis, lägen Tage, Wochen, ja Monate zwischen den einzelnen Episoden. Andere Patienten wiederum würden sich gelegentlich an nichts erinnern, weil sie während des akuten Vorfalls temporär bewusstlos gewesen wären. „Desto nützlicher sind Instrumentarien, die den Herzrhythmus kontinuierlich überwachen sowie aktuelle Vorkommnisse registrieren.“

Miniaturisierte Aggregate

Wurden bislang für das Einsetzen der rund drei Jahre betriebsfähigen Sticks kleinere Operationen anberaumt, stehen mittlerweile miniaturisierte Aggregate zur Verfügung, die lediglich unter die Haut gespritzt werden müssen. „In der Regel“, ergänzt Gießmann, „dauert der Eingriff nicht länger als höchstens zwei bis drei Minuten.“ Routine eben.  

Sören Goesmann will es unterdes nicht verhehlen: Bei ihm, dem talentierten Fußballspieler, ist jüngst ein Recorder erforderlich geworden – die reine Vorsichtsmaßnahme. „Nach meinem Spurt“, erzählt der Mittelfeldakteur, „bin ich auf dem Platz plötzlich umgekippt, war kurzfristig ohnmächtig.“ Die daraufhin erfolgte stationäre Beobachtung mitsamt den anschließenden Tests und Kontrollen führte jedoch hinsichtlich der Ursachen zu keinerlei nennenswerten Erkenntnissen, worauf ihm Gießmann empfahl, ein solches Gerät künftig prophylaktisch zu tragen. „Ich habe mich daran gewöhnt, spüre es inzwischen kaum noch“, berichtet der Hobby-Kicker, „alles gut.“ Und: „Seitdem ist nichts mehr vorgefallen“, fügt er hinzu, „ich übe meinen Sport ohne Beeinträchtigungen aus. Sollte aber trotzdem etwas passieren, kann die Behandlung umso wirkungsvoller anknüpfen.“

Erfolgreiche Therapien

Stichwort Diagnose-Sicherheit: Darüber hinaus kommt bei den Medizinern auch die sogenannte „EKG-Karte“ verstärkt zum Einsatz. Sie ähnelt den bei Bankautomaten üblichen Formaten, funktioniert wie ein normales Langzeit-Echokardiogramm. Sobald feststellbare Abweichungen vom Herzschlag auftreten, gilt es den Chip auf die Brust zu pressen und parallel die Aufnahmetaste zu drücken. Die drinnen installierte Technologie zeichnet sodann die Kurven auf, über das Telefon weitergeleitet landen sie bereits wenig später im Gebäude am Schederweg, wo die Werte direkt abgespeichert, obendrein sorgsam analysiert werden. „Bereits ein Mitschnitt von 30 Sekunden reicht aus“, betont Gießmann, „um uns wichtige Hinweise zu liefern“ - Hinweise, die für erfolgreiche Therapien längst unverzichtbar geworden sind.