Die Mitglieder des Leitungsgremiums haben allen Grund zur Freude: Das Ethikkomitee des St. Walburga-Krankenhauses Meschede hat sich in den vergangenen Jahren als sehr engagierter, handlungsfähiger Kreis erwiesen. Bei den jüngst anberaumten Vorstandswahlen wurden die Vorsitzende Kirsten Hardekopf (r.) sowie die Stellvertreter Dr. Werner Göddecke sowie Theresia Brüggemann (l.) einstimmig wiedergewählt.

Ethikkomitee bietet Ratsuchenden Hilfe an

[10.03.2013]

Es war ein Sachverhalt, der unlängst bundesweit die Gemüter erhitzte: Umgang mit der „Pille danach“. Natürlich stand die Angelegenheit aufgrund der Geschehnisse in Köln, wo eine mutmaßlich vergewaltigte Frau von zwei katholischen Hospitälern abgewiesen worden war, auch im St. Walburga-Krankenhaus Meschede auf der Tagesordnung des internen Ethikkomitees. Die Diskussion endete letztlich in dem Beschluss, dass man für derlei existenzielle Entscheidungen praxisnahe Leitlinien benötige. Die liegen inzwischen vor, orientiert an den jüngsten Beratungsergebnissen auf der Frühjahrsversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. So darf das Medikament nach sexuellen Übergriffen nunmehr verschrieben werden, wenn sich dadurch eine Befruchtung verhindern lässt.

Eines von vielen Themen, mit denen sich die zwölf Mitglieder in ihren turnusmäßigen, zumeist viermal jährlich stattfindenden Sitzungen auseinandersetzen. „Generell“, erläutert die erste Vorsitzende Kirsten Hardekopf das Tätigkeitsfeld, „befassen wir uns mit moralischen Kategorien, die bei der Patientenversorgung eine Rolle spielen“ – Aspekte beispielsweise wie Vertrauen, Respekt, Anteilnahme. Das Prinzip, Lebensqualität so lange wie eben möglich zu verwirklichen, steht bei den Reflexionen ohnehin ganz oben  – ebenso wie die Würde des Einzelnen.

Grenzbereiche

„Der Mensch mit all seiner Ganzheitlichkeit, ihm gehört innerhalb des klinischen Alltags unser Augenmerk“, betont Krankenhaus-Seelsorgerin Theresia Brüggemann. Ein Anspruch, den es besonders zu verwirklichen gilt, wenn das Recht auf Selbstbestimmung eingeschränkt ist  – Grenzbereiche, bei denen das Fach-Forum vor allem zu erörtern hat, inwiefern fortschreitende medizinische Errungenschaften einerseits, die Mündigkeit des Individuums andererseits in Einklang zu bringen sind. „Am häufigsten“, berichten die Zwei, „treten Konflikte auf, wenn bei Fragen einer Therapieänderung unterschiedliche Ansichten vertreten werden - zwischen Ärzten und Angehörigen etwa.“

Auf Anfrage beruft dann das Ethikkomitee in solchen Situationen sogenannte Fallbesprechungen ein, für die sämtliche bei der Behandlung mitwirkenden Professionen hinzugebeten werden. Wichtigste Prämisse: Miteinander geeignete Lösungsempfehlungen zu finden. Nicht minder einfühlsam wird darüber nachgedacht, wie sich alle Beteiligten in einem bereits begonnenen Sterbeprozess hilfreich verhalten können. „Hightech-Anwendungen ohne ein entsprechendes Therapieziel“, wägt Brüggemann behutsam ab, „sind in dieser Lebensphase keine Unterstützung. Weder für die Patienten noch für deren Familien.“

Sensibilität

Die gemeinsamen Überlegungen, sie richten sich stets mit gebotener Sensibilität am mutmaßlichen Willen der jeweils zu erörternden Person aus. „Wir möchten informieren, beraten, möchten letztlich Verhaltensorientierungen aufzeigen“, skizziert das Gremium weitere Grundzüge seiner Arbeit -  Grundzüge, die durch Kriterien wie Fairness und Gerechtigkeit geprägt sind.  

Ende 2008 wurde der Ausschuss im Rahmen der allgemeinen Zertifizierung gegründet, seit 1. Dezember 2010 bilden darin die beiden Sprecherinnen zusammen mit Dr. Werner Göddecke, dem Chefarzt der Anästhesie und operativen Intensivmedizin, das Leitungsteam. Alle drei wurden jetzt bei den jüngst anberaumten Vorstandswahlen in ihren Ämtern einstimmig bestätigt. Worauf das Trio ausgesprochen stolz ist? „Unser Kreis“, betont Hardekopf, „ gehört zu denen, die sich als sehr aktiv, sehr handlungsfähig erwiesen haben.“