Im St. Walburga-Krankenhaus wurden die Chefärzte Prof. Dr. Franz Weber (3.v.l.) und Dr. Hans Twilfer (5.v.l.) - unser Bild zeigt sie jeweils zusammen mit ihren Partnerinnen - in den Ruhestand verabschiedet. Klinik-Geschäftsführerin Anja Rapos (2.v.r.) führte durch das Programm des Festakts, die Ansprachen hielten Gilbert Aldejohann (r.), Geschäftsführer der Trägergesellschaft Misericordia, und PD Dr. Martin Schwonzen (l.), Chefarzt-Kollege sowie 2. Vorsitzender des Ärztevereins Meschede.
Sie war der Überraschungsgast des Abends: Stella Nguyen. Auf ihrer Geige bescherte die Schülerin, dessen Vater vor nicht allzu langer Zeit in Dr. Twilfers radiologischer Abteilung noch als Assistenzarzt gearbeitet hatte, dem sich nunmehr in den Ruhestand verabschiedenden Mediziner ein ganz besonderes Ständchen. Für die Solo-Einlage spendeten die im Veranstaltungssaal der Klinik versammelten Gäste reichlich Applaus.
Prof. Dr. Franz Weber hatte als Chefarzt am 1. Oktober 2004 die Leitung der nephrologischen Abteilung im St. Walburga-Krankenhaus übernommen. Nach den persönlichen Zukunftsplänen befragt, zieht es den Mediziner in die Heimatstadt Essen zurück: Dort will er - ehrenamtlich - wieder intensiver seinen Lehrauftrag an der Universität wahrnehmen.
Dr. Hans Twilfer, der die leitende Position als Chefarzt der Radiologie im St. Walburga-Krankenhaus am 1. Dezember 2006 angetreten hatte, wurde jetzt ebenfalls in den Ruhestand verabschiedet. Bezogen auf den neuen Lebensabschnitt als Privatier, schimmerten bereits erste Pläne durch: So denkt er u.a. daran, sich für das Studium im Alter an der Universität Münster einzuschreiben.

Ein Ständchen von Stella: Schülerin überraschte Chefärzte bei Abschiedsfeier mit Geigen-Solo

[06.11.2013]

Die Swing-Rhythmen der Jazzformation Schütte/Rapp-Hesse hallten noch durch den Raum, da betrat plötzlich Stella Nguyen den Veranstaltungssaal des St. Walburga-Krankenhauses – als Überraschungsgast des Abends. Sie holte die Geige hervor und bescherte der versammelten Zuhörerschar ein bemerkenswertes Solo. Die zur Verabschiedung der in den Ruhestand wechselnden Chefärzte Prof. Dr. Franz Weber (Nephrologie) und Dr. Hans Twilfer (Radiologie) erschienenen Besucher – darunter der stellvertretende Landrat Rudolf Heinemann sowie Kreismedizinaldirektor Dr. Konrad Pelz – spendeten der Schülerin hernach reichlich Applaus. Ihr Vater war vor nicht allzu langer Zeit als Assistent in Twilfers Abteilung beschäftigt, nun wollte er mit dem musikalischen Intermezzo der Tochter auf charmante Art an die profunde Anleitung durch den ehemaligen Mentor erinnern. Sogar Geschäftsführerin Anja Rapos, die das Programm des Festakts moderierte, wusste nichts von der kleinen Einlage.

Ja – an Lobesbekundungen für die scheidenden Mediziner mangelte es nicht. Gilbert Aldejohann, Geschäftsführer der Klinik-Trägergesellschaft Misericordia, stellte in der Laudatio die „hohe Fachlichkeit“ beider heraus – geprägt vor allem durch das umfassende, wissenschaftlich tief fundierte Sachwissen, „welches heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist“. Jeder von ihnen hätte sich stets dem beruflichen Ethos verpflichtet gefühlt, darüber hinaus Belange der Patienten „immer im Blick gehabt“. Aldejohann, damals schon bei den Einstellungsgesprächen zugegen, bedankte sich ausdrücklich für Kompetenz, Verlässlichkeit, Engagement. Der intensive, persönliche Einsatz des Duos war ihm eine besondere Erwähnung wert.

Qualifizierte Angebote

Zugleich nutzte er die Ausführungen, um – bezogen auf die Kreisstadt-Klinik -  künftige Entwicklungsschritte zu skizzieren. Sie werde weiterhin bei der ärztlichen Versorgung der Region einen entscheidenden Part übernehmen. Hierfür gelte es jedoch – neben inhaltlich qualifizierten Angeboten - den „soliden“, „verantwortungsvollen Umgang“ mit finanziellen Ressourcen zu pflegen, „um das Werk der Clemensschwestern dauerhaft fortsetzen zu können“.

So würden demnächst für die Bereiche Nephrologie/Radiologie durch enge Verzahnung ambulanter und stationärer Strukturen hilfreiche Kooperationen geschaffen: „Kooperationen, die diesen Namen verdienen – sektorenübergreifend, obendrein standortsichernd“. Trotz der vorhandenen Notwendigkeit sollten derlei Veränderungen das bislang in diesen Teilgebieten Geleistete aber keineswegs verdecken, war Aldejohann an einer differenzierten Betrachtungsweise gelegen.

"Exzellente Arbeit"

In der Grußbotschaft für „zwei gute Freunde“ unterstrich PD Dr. Martin Schwonzen, zweiter Vorsitzender des Mescheder Ärztevereins und unmittelbarer Klinik-Kollege, deren „exzellente Arbeit“. Der interne Austausch sei von anregenden, gründlichen Diskussionen bestimmt worden, man habe aber während der Konferenzen ebenso ungeniert scherzen dürfen. Angesichts der einschlägigen, landauf landab registrierbaren Tendenzen warnte der Onkologe im allgemeinen Teil der Rede dann vor interessenorientierter Vereinnahmung: Das eigene Genre dürfe nicht zum Spielball wirtschaftlicher Aspekte werden - ein Gedankengang, den Weber bei der Schlussbemerkung aufgriff: Ärzte würden sich einer „falschen Priorisierung“ unterwerfen, wenn sie Tun und Handeln an ökonomischen Kriterien ausrichteten, betonte er im Hinblick auf vorab zitierte, gesamtgesellschaftliche Beispiele. Den Verantwortlichen vor Ort wünschte er das nötige Quentchen Glück für die aktuellen Aufgaben.

Ähnlich wie Weber machte sich auch Dr. Twilfer dafür stark, dass „Humanität und Nächstenliebe grundlegende Leitlinien“ bleiben sollten. Nein – sie, die Kranken, seien keine „Kunden“, lautete das Vermächtnis in dem am Ende gehaltenen Plädoyer für eine patientenzugewandte Medizin. Anerkennung zollte er seinem Team: „Gemeinsam haben wir viel bewegt.“ Angesprochen auf den neuen Lebensabschnitt als Privatier, schimmerten bei ihm bereits die ersten Pläne durch: „Ich will mich vermehrt den Hobbys zuwenden.“ Denkbar sei zudem, sich etwa an der münsterschen Wilhelms-Universität für das Studium im Alter einzuschreiben. Bevorzugte Fachrichtung? „Architekturgeschichte.“ 

Ambitionierte Pläne

Weber hingegen brauchte bei der Frage nicht lange zu überlegen: „Zum einen werde ich wieder des Öfteren publizieren, zum anderen meinen Lehrauftrag an der Universität Essen ausüben - ehrenamtlich.“ Damit zieht es ihn in jene geografischen Gefilde zurück, die über 23 Jahre lang die individuelle Vita maßgeblich beeinflussten. „So kann ich der Alma Mater einiges davon zurückgeben, was sie mir früher vermittelt hat.“

Der Empfang hatte am Nachmittag mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Kapelle begonnen.