Petra Vollmers-Frevel, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Hochsauerlandkreis e.V., hatte in enger Kooperation mit dem St. Walburga-Krankenhaus Meschede eine höchst aufschlussreiche Informationsveranstaltung parallel zum Weltalzheimertag 2012 organisiert.

Demenz im Krankenhaus: Respekt vor der Würde des Individuums

[23.09.2012]

Demenz im Krankenhaus“ - ein Sachverhalt, der die Menschen interessiert. Doch mit einem derartig starken Andrang hatten weder Organisatorin Petra Vollmers-Frevel, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Hochsauerlandkreis e.V., noch Gastgeberin Anja Rapos, Geschäftsführerin des St. Walburga-Krankenhauses, gerechnet: Der dortige Versammlungssaal war bei der in enger Absprache parallel zum Weltalzheimertag 2012 geplanten Informationsveranstaltung prall gefüllt - kein Sitzplatz blieb mehr frei. Dass etliche Zuhörer erschienen waren, um letztlich „mehr Hintergründe“ über jene fortschreitende, unheilbare Krankheit zu erfahren, an der mittlerweile 1,4 Millionen Bundesbürger leiden, daraus machten die Besucher während des Empfangs im Foyer keinen Hehl.

Plötzliche Verhaltensauffälligkeiten

Ja – Demenz in einem Hospital kann zum Problem werden, wie Dr. Wilhelm Stuhlmann, Vorsitzender des NRW-Dachverbandes der Alzheimer Gesellschaften und zugleich Arzt für Psychiatrie, Neurologie und klinische Geriatrie, anhand allgemeiner Fallbeispiele erläuterte. Da sind zum einen die durch klare Vorgaben determinierten Klinikabläufe, da ist zum anderen der Patient mit für den ersten Moment zunächst unerklärlichen Verhaltensauffälligkeiten, führen doch ursächlich häufig andere, oftmals internistische Probleme zur Aufnahme. Plötzlich irrt er dann desorientiert über die Flure, gibt sich renitent oder verweigert notwendige Auskünfte – abgesehen davon, dass Operationen oder Narkosen zusätzlich symptomverschlimmernde Besonderheiten bedingen. Realitäten, die als Einstieg ins Thema vom Oberkurs der Krankenpflegeschule vorab mit Rollenspielen exemplarisch verdeutlicht worden waren.

Nützliche Ratschläge

Damit Konflikte nicht eskalieren, hatte Stuhlmann, der Experte, gleich mehrere nützliche Ratschläge parat. Bei Verdacht auf Demenz empfahl er, rasch eine erweiterte medizinische, biografische sowie pflegerische Anamnese anzusetzen, überhaupt auf differenziertere Diagnostikmethoden zurückzugreifen. Außerdem wäre es sinnvoll, Schwerpunkt-Einheiten zu bilden, Berater einzubeziehen. Intensivere Qualifizierung des Personals sei ebenso hilfreich wie die Bereitschaft, von Angehörigen zu lernen. Dem Walburga-Krankenhaus attestierte der Redner in dem Zusammenhang ein „fortschrittliches“ Konzept: Die von Anja Rapos in der Begrüßungsrede erwähnte, bereits seit längerem vor Ort existierende Arbeitsgruppe Demenz, in der eben genau solche Forderungen praxisbezogen reflektiert würden, nannte er vorbildlich.

Palliativer Ansatz

Den Einzelnen „bestmöglich zu behandeln“ - diese Absicht kennzeichnet den palliativen Ansatz des nach schwedischem Muster initiierten „Silviahemmet“-Modells im Kölner Malteser Krankenhaus St. Hildegardis, über das Dr. Jochen Gerd Hoffmann berichtete. Wesentliches Prinzip: Achtung vor der Persönlichkeit des Gegenübers. Dessen Würde allzeit zu respektieren, steht als Zielvorgabe obenan – mitsamt dem Versuch, selbstbestimmte Lebensweisen zuzugestehen. Hier, in dem Pilotprojekt, dürfen Betroffene quasi die anderen lehren, was ihnen gut tut. Ein Betreuungsstil, auf den sämtliche Bediensteten, vom Assistenzarzt bis zum Pförtner, durch permanente Schulungen konsequent vorbereitet werden. Um Isolation erst gar nicht aufkommen zu lassen, agieren Familienmitglieder als wichtige Kooperationspartner. Korrespondierend bemüht man sich auf der Station um ein stressfreies Wohlfühl-Ambiente, das Funktionsverluste sowie Leistungseinbußen lindern soll. Der inmitten des Trakts hergerichtete Wohnraum fungiert als zentraler Aufenthaltsbereich, er ist Schaltstelle für die nach fester Tagesstruktur anberaumten Aktivitäten. Dass dieses ganzheitliche Setting enorme Vorteile mit sich bringt, etwa die Weglauftendenz oder nächtliche Unruhe verringert, ließ Hoffmann nicht unerwähnt. Durch entsprechende Erhebungen untermauert, weiß sich das Team auf einem guten Weg.

Validierende Arbeitsweisen

Umgangs-  und Kommunikationsformen in der LWL Klinik Marsberg sind von ähnlichen Überlegungen geprägt. „Der Wahrnehmungs- und Bezugsrahmen des Demenzkranken wird nicht in Frage gestellt“, erläuterte Leitender Oberarzt Dr. Markus Müller-Küppers eine der Maximen innerhalb der gerontopsychiatrischen Abteilung. Statt das Gegenüber zu korrigieren, womöglich mit ihm noch falsche Sichtweisen zu erörtern, gelte es vielmehr seine Erlebniswelt zu akzeptieren – auf der Basis wertschätzender Grundhaltung. Mit welchen validierenden Arbeitsweisen dies unter stationären Rahmenbedingungen gelingt, erläuterten Annette Scholz und Benjamin Stoop  - anhand detaillierter Alltagsschilderungen. Die wiederum bestimmten auch das Referat von Birgit Quaas, Pflegedienstleiterin des Bad Fredeburger Seniorenwohnens im Park. Sie legte dar, mit welchen vertrauensbildenden Maßnahmen sich bei Ernährungsschwierigkeiten die innere Abwehr beseitigen lässt.    

Dickes Kompliment

Im Grußwort hatte Ausrichterin Vollmers-Frevel den Anspruch ihrer Organisation unterstrichen, durch die verschiedenen Hilfsangebote bzw. Gesprächsrunden für Patienten eine regionale „Verbesserung  der Lebensqualität“ zu erreichen. Erster stellvertretender Landrat Rudolf Heinemann sicherte dafür in seinem Beitrag „konstruktive Unterstützung“ zu. Gegen Schluss der Reihe setzte es ein dickes Kompliment - aus berufenem Munde. Elisabeth Baronin von Lüninck, ehemalige Vorsitzende des Caritasverbandes, lobte das „hohe, anschauliche Niveau“ der Vorträge. „Sehr aufschlussreich waren die, gespickt mit vielen zweckdienlichen Hinweisen." 

 

Informationsveranstaltung "Demenz im Krankenhaus"