Dr. Daniel Gießmann (Bildmitte), im St. Walburga-Krankenhaus Meschede Chefarzt der Kardiologie, referiert beim Patientenforum am 7. November im Klinik-Foyer am Schederweg über die Erkennung und Behandlung der koronaren Herzerkrankung. Eine Veranstaltung, die gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung und der AOK Nord-West ausgerichtet wird.

Chefarzt Dr. Gießmann: "Bei Herzerkrankungen kommt es auf den richtigen Lebensstil an"

[31.10.2012]

Gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung und der AOK Nord-West lädt das St. Walburga-Krankenhaus Meschede am Mittwoch, 7. November (Beginn: 17 Uhr), im Rahmen einer bundesweiten Kampagne zum nächsten Patientenforum ins Foyer der Klinik ein.Thema diesmal: „Koronare Herzerkrankung erkennen und behandeln“. Dr. Daniel Gießmann, Chefarzt der Kardiologie, hält an dem Abend das Hauptreferat (ab 19 Uhr), außerdem haben Kolleginnen und Kollegen seiner Abteilung das Rahmenprogramm maßgeblich vorbereitet. Bereits im Vorfeld stand er zu Detail-Fragen Rede und Antwort.

„Koronare Herzerkrankung“  (KHK) – ein Begriff, mit dem etliche Patienten zunächst wenig anzufangen wissen. Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung?

Dr. Gießmann: Sie beschreibt Symptome, die auf einer Verengung der Herzkranzgefäße beruhen. Dort haben sich – angesammelt in einem langen, ganz oft dahinschleichenden Verfahren – Ablagerungen festgesetzt, sogenannte Plaques. Der Grund dafür, dass das Herz fortan nicht mehr richtig durchblutet wird. Darüber hinaus sprechen wir von einem akuten Koronar-Syndrom, was entsteht, wenn die dünne Gefäßhaut, an der sich eben jene Plaques bildeten, aufplatzt. Gefährlich daran: bedingt durch das aufgetretene Blutgerinnsel, wird das Herzkranzgefäß verschlossen – der klassische Infarkt.

Woran ist eine KHK zu erkennen, was sind charakteristische Anzeichen?

Dr. Gießmann: Zu den Indikatoren zählt ein starkes Enge-Gefühl in der Brust, obendrein klagen Betroffene über Atemnot – massiver Druck, den sie plötzlich wahrnehmen. Häufig verbunden mit Schmerzen, die gerade bei Frauen eher diffus in die Schulter- oder Kieferpartien abstrahlen, bisweilen auch in den Oberbauch. Selbst wenn solche Beschwerden nach wenigen Minuten wieder abklingen, sollten deren medizinische Ursachen unverzüglich herausgefunden werden. Dauern die Beeinträchtigungen an, etwa in Kombination mit anderen Unpässlichkeiten wie Übelkeit oder Brechreiz, ist ohnehin dringend Eile geboten – handelt es sich dann vermutlich um einen Herzinfarkt.

Weltweit leiden zig Millionen an KHK. So mussten ihretwegen im Jahr 2009 - um es an Zahlen zu verdeutlichen - rund 665 000 Menschen in der Bundesrepublik stationär aufgenommen werden. Wer ist besonders gefährdet?

Dr. Gießmann: Jene, die einen ungesunden Lebensstil pflegen. Dazu zählen sicherlich falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, ebenso schädlich sind Übergewicht, Stress. Alles Begleitumstände, die zu wesentlichen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und Diabetes beitragen. Nebenbei gesagt: Wer in der Beziehung regelmäßig zur Kontrolle geht, kann ungünstigen Entwicklungen vorbeugen – wie rechtzeitige Vorsorge generell ratsam ist. Nicht minder folgenschwer: Zigarettenkonsum. Männer, die auf Nikotingenuss nicht verzichten mögen, steigern laut Statistik die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, um das Dreifache, bei Frauen liegt den Erhebungen zufolge die Quote doppelt so hoch. Rauchen – kein  Zweifel – führt letztlich zur Instabilisierung der Plaques.

Was kann der Betreffende tun, um besser gewappnet zu sein?

Dr. Gießmann:  … indem er sich bemüht, Risikofaktoren deutlich zu reduzieren.

… leichter gesagt als getan. Hartnäckige Raucher dürften ihr Laster nur schwerlich ablegen …

Dr. Gießmann: … dennoch gibt es keine Alternative dazu. Der Einzelne muss schon gewillt sein, konsequent mitzuarbeiten. Wie das funktioniert? Lassen Sie mich ein simples Beispiel nennen: Statt schwer im Magen liegendes, kalorienträchtiges Essen einzunehmen, das in Anbetracht der an Kohlenhydraten üppigen Zusammensetzung den Wert für Blutzucker und Blutdruck schnell in die Höhe treibt, sind bei Personen mit Herzproblemen eher leichtere Gerichte zu empfehlen. Also - Gemüse, Salat, Obst, zusätzlich lieber Fisch als Fleisch – oder wenn, dann helles Fleisch (Pute, Hähnchen). Mahlzeiten, die jederzeit einfach zuzubereiten sind. Stichwort: Mittelmeerküche. Sie verringert die Herzinfarkt-Bedrohung enorm – das Ergebnis wissenschaftlicher Studien. Ähnlich verhält es sich bei der Bereitschaft zu körperlicher Betätigung: Eine halbe Stunde pro Tag, die dann etwa gemäßigtem Ausdauer-Sport gewidmet wird, kann allerhand Gutes bewirken – angefangen bei der intensiveren Durchblutung der Herzmuskel bis hin zu einem reduzierteren Gewicht samt dem damit einhergehenden, angenehmeren Wohlbefinden.

Was verspricht bei einer koronaren Herzerkrankung Aussicht auf Erfolg? 

Dr. Gießmann: Um es nochmals zu unterstreichen: Am Ende liegt es an den Patienten, ob sie durch ihr eigenes, umsichtiges Verhalten die Voraussetzungen dafür erbringen, dass unsere Therapien greifen. Die ärztlichen Maßnahmen fangen – je nach individueller Disposition - bei der Verordnung geeigneter Medikamente an, darüber hinaus können bei Verengungen Katheteruntersuchungen, Stent-Eingriffe oder Bypass-Operationen Abhilfe schaffen. Doch Behandlungsmethoden sind zum Scheitern verurteilt, wenn das Gegenüber wenig Einsicht zeigt. 

Welche Ergebnisse erhoffen Sie sich von dem Aktionstag?

Dr. Gießmann: Zum einen wünsche ich mir aufschlussreiche, interessante Gespräche mit Besuchern, zum anderen würde es mich freuen, wenn die Veranstaltung den Gästen viele neue Erkenntnisse und Anregungen liefern könnte.