Als Zeichen der Dankbarkeit für das Engagement der im Euthymia-Wohnheim ansässigen Clemensschwestern hatte das St. Walburga-Krankenhaus zum Empfang eingeladen. Neben vielen anderen Gästen, darunter der stellvertr. Bürgermeister Willi Raulf und Abt Aloysius, nahmen an der Veranstaltung Geschäftsführerin Anja Rapos (l.), Gilbert Aldejohann, Geschäftsführer der Misericordia-Trägergesellschaft (r.), Generaloberin Schwester Charlotte (2.v.l.) sowie Generalrätin Schwester Elisabethis (3.v.r.) teil.

Bewegende Dankesworte: "Clemensschwestern gaben der Barmherzigkeit ein Gesicht!"

[05.03.2014]

Nein – es war kein leichter Beschluss. Über Wochen-, ja Monate hinweg hatten sie intensiv diskutiert, die Argumente immer wieder aufs Neue abgewogen, hatten den Tagesordnungspunkt sogar mehrfach verschoben. Irgendwann aber mochte Schwester Charlotte Schulze Bertelsbeck, Generaloberin der Clemensschwestern, mitsamt den Rätinnen die Angelegenheit nicht länger hinauszögern: Schweren Herzens musste sie den 21 im Maria-Euthymia-Wohnheim ansässigen Ordensfrauen die traurige Botschaft überbringen, dass der 1974 gegründete Konvent aus wirtschaftlichen Überlegungen aufgelöst wird. Allerdings: in anderen Städten, beispielsweise in Anholt oder Dülmen, beziehen die Seniorinnen - manche bereits über neunzig Jahre - schon bald ein neues Domizil.  

Das Leitungsteam nannte für seinen Schritt plausible Gründe: Die im Gebäude am Schederweg zu Buche schlagenden hohen Personal- und Betriebskosten bei parallel verringerter Auslastung seien letztlich ausschlaggebend für diese unabwendbare Maßnahme gewesen. „Ein alter Baum lässt sich ungern verpflanzen“, war sich Schwester Charlotte der Tragweite ihrer Nachricht bewusst. Um jedoch die weitere Versorgung der Gesamtgemeinschaft finanziell abzusichern, blieb am Ende keine andere Wahl als die Etataufwendungen zu reduzieren. Darüber hinaus tragen Nachwuchsprobleme zur gegenwärtigen Lage bei: Im Vergleich etwa zu den Fünfzigern, als die Clemensschwestern rund 2300 Mitglieder verzeichneten, sind es heute nur noch 335. Dadurch bedingt, sank beispielsweise nicht nur die Höhe der Gestellungsgelder, sondern das Einnahmenvolumen generell.   

Unvergessliche Zeichen gesetzt

Dass die Präsenz der Ordensschwestern im St. Walburga-Krankenhaus, in dem sie seit Anbeginn unermüdlich wirkten, in hohem Maße „Erscheinungsbild und Atmosphäre“ geprägt hätte, bestätigte Geschäftsführerin Anja Rapos. Sie konnte die aktuellen, ökonomischen Aspekte der Entscheidung durchaus nachvollziehen, betonte aber auch: „Mit dem Abschied verlieren wir einen Teil unserer Identität.“ Als Ausdruck deutlicher Anerkennung für das jahrzehntelange, aufopferungsvolle Engagement hatten daher Betriebsleitung und Mitarbeitervertretung der Klinik zu einem Empfang eingeladen.

In der zum Auftakt anberaumten Eucharistiefeier spendete Abt Aloysius Althaus OSB gleich zu Beginn tröstlichen Beistand: „Sie“, sprach er direkt die aufmerksam lauschenden Zuhörerinnen an, „haben der Barmherzigkeit ein Gesicht gegeben, haben im Dienst am Nächsten unvergessliche Zeichen gesetzt“ - und entsann sich etlicher Momente, in denen durch „treues Wirken“ beeindruckende Menschenfreundlichkeit sichtbar wurde. „Bei dem nun beginnenden Aufbruch in eine neue Zukunft darf sich jede Einzelne von ihnen ermutigt, obendrein geborgen fühlen: Gott geht alle Wege mit“, unterstrich Althaus. Im Vertrauen „auf die Kraft dessen, der sie berufen hat“, gelte es jetzt optimistisch nach vorn zu schauen.

Professionelle Unterstützung erhalten

Diesen Ansatz griff die Generaloberin dann später, während des gemütlichen Beisammenseins, ihrerseits auf: „Wenn es schwer wird, werden wir gehalten und stehen zusammen wie eine 1.“ Gewiss: die augenblickliche Situation des „Los-Lassens“ und „Abgeben-Müssens“ sei bisweilen durch Betroffenheit und Traurigkeit gekennzeichnet, dennoch registriere sie eine  „positive“, „hilfreiche“ Grundeinstellung. Niemand verhalte sich blockierend oder lamentierend: „Meine große Wertschätzung habt Ihr.“ Für die Nähe zum Krankenhaus und die damit in vielerlei Hinsicht verbundene professionelle Unterstützung sagte Schwester Charlotte den Ärzten, Pflegekräften sowie dem Stab der übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausdrücklich danke.    

Ähnlich persönliche Worte fand Willi Raulf, der stellvertretende Bürgermeister: In Anbetracht des stillen, immer selbstlosen Einsatzes für die anvertrauten Patienten wären die Schwestern „Vorbilder einer ganzen Gesellschaft“ gewesen - nicht zuletzt deswegen, weil sie aus einem tiefen, fundierten Glauben heraus Wohltätigkeit praktiziert hätten. Somit ein „großes Stück Meschede“ tagtäglich miterlebt zu haben, dafür dürfe sich die Stadt glücklich schätzen. „Wir“, hieß es zum Schluss seiner Rede, „wir werden ihre Leistungen nie vergessen.“ Gilbert Aldejohann, Geschäftsführer der münsterschen Krankenhausträgergesellschaft Misericordia, knüpfte nahtlos an: Allein durch Raulfs bewegende Ansprache sei deutlich geworden, welch hohes Ansehen die Clemensschwestern vor Ort besäßen – ein Vermächtnis, dem man sich sorgsam widmen werde. Da der Orden nicht „größer würde“, bedeute dies, dessen bewährte Philosophie bei der Führung von Hospitälern zum einen „mutig“, zum anderen „besonnen“ in die Jetzt-Zeit zu übertragen.

Der restliche Abend, er diente dem gemütlichen Austausch untereinander.       

Bilderbogen von der Danksagungsfeier für die Clemensschwestern