"Frauenversteher" Carsten Höfer: Kommunikation zwischen den Geschlechtern will trainiert sein - meint Kabarettist und Buchautor Carsten Höfer im Interview. Während seiner Lesung in der Caféteria des St. Walburga-Krankenhauses - passieren wird's am Donnerstag, 5. Juni - erhält das Publikum jede Menge anwendungsfreundlicher, aber nicht immer ernstgemeinter Lösungshilfen . . .

Autorenlesung mit Kabarettist Carsten Höfer: Männer und Frauen kommen sich dabei selbst auf die Schliche

[05.06.2014]

Er ist das, was Viele von sich gerne behaupten zu sein: ein „Frauenversteher“. Carsten Höfer, bundesweit erfolgreicher Kabarettist, Stand-Up-Comedian und Autor, gastiert am Donnerstag, 5. Juni, ab 19.30 Uhr in der Caféteria des St. Walburga-Krankenhauses, stellt dort bei einer Lesung die Highlights aus dem gleichnamigen Buch vor (Eintritt frei) - ein Abend für Patienten, Besucher, Mitarbeiter. Wir erkundigten uns bei ihm im Vorfeld der Veranstaltung, wann er selbst bemerkte, ein besonderes Gespür für die Denk- und Handlungsweisen des anderen Geschlechts zu besitzen. 

Höfer: Angefangen hat’s bei mir reichlich früh. Ich bin als zweites Kind meiner Eltern, sechs Jahre nach der großen Schwester, zur Welt gekommen. Die hatte sich schon zeitig ein Schwesterchen gewünscht. Leider war ich aber „nur“  der Bruder, was die Gute aber nicht davon abhielt, mich sehr strategisch zu sozialisieren. Ich wurde von ihr derart „verweiblicht“, dass ich irgendwann Selbstzweifel hegte, ob ich wirklich ein richtiger Junge bin. Interessanterweise war ich in jenen Tagen ausschließlich von Spielkameradinnen umgeben. So lernte ich wie ein Mädchen zu fühlen, zu diskutieren, lernte letztlich auch so zu quengeln. Keine Frage: Während der ersten zwölf Lebensjahre wurden mir jene tiefen Grundlagen vermittelt, die ein professioneller Frauenversteher dringend benötigt.

. . . zwischendurch: Haben Sie sich dafür schon bei Ihrer Schwester bedankt?

Höfer (grinst): . . . mehr als einmal - vor allem für die niedlichen Fotos, bei denen ich damals Modell stehen musste. Mit Schleifchen im Haar und Röckchen um die Hüften – grauenhaft, noch heute schüttelt’s mich. Irgendwann habe ich dann selbst sehr zielgerichtet Frauen und Männer studiert, deren Gewohnheiten aufgeschnappt, habe in Partnerschaften eigene Erfahrungen gesammelt. All das, was ich fortan sehen, hören, analysieren konnte, half mir, dem Wesen des Frauenverstehers näher auf die Spur zu kommen.

Als solcher sind Sie aus deutschen Kleinkunsthäusern nicht mehr wegzudenken. Wie reagiert das Publikum auf Ihre Offenbarungen?

Höfer:  In den Sälen wird viel, wird heftig gelacht. Oft fühlen sich die Gäste bei den Jokes ertappt oder meinen in den Schilderungen Personen aus dem unmittelbaren Umfeld wiederzufinden. Bisweilen beobachte ich Frauen, die dem Partner mit dem Ellenbogen in die Rippen stoßen und grinsend zu verstehen geben: „Genauso ist es bei uns - oder?!“ Viele Zuschauer sind tatsächlich überrascht, wie sehr sich deren gewohnter, normaler Alltagstrott im Bühnengeschehen widerspiegelt. Die fragen mich dann nach so einem Auftritt: „Waren Sie etwa heimlich bei uns zu Hause?“

In der Caféteria des St. Walburga-Krankenhauses lesen Sie aus dem zugehörigen Buch vor. Mögen Sie vorab verraten, worum es inhaltlich geht?

Höfer: . . . zum einen um die Gespräche zwischen Mann und Frau, zum anderen um Missverständnisse und Probleme, die wiederum daraus resultieren. Dies alles passiert auf unterhaltsame, niveauvolle Weise – eine Veranstaltung, bei der das Losprusten zum Ablauf gehört. Aber Spaß beiseite: Wenn es in einer Beziehung nicht richtig rund läuft, wenn beide Partner eher unglücklich sind, raten Freunde, Bekannte und Verwandte, aber auch Paartherapeuten dazu, beide sollten unbedingt miteinander reden. Leider stellt häufig genau dieser Vorschlag das eigentliche Problem dar. Wer ihn unterbreitet, verschlimmert nämlich in den meisten Fällen die Situation. Denn Mann und Frau reden auf ganz unterschiedliche Weise – reden oft kolossal aneinander vorbei. Der Punkt ist: Die wenigsten von uns sind darauf konditioniert, geschlechtsspezifische Kommunikationsmuster zu berücksichtigen. 

Jetzt mal im Ernst: Ist Ihr Buch reine Unterhaltungslektüre oder glauben Sie, dass man daraus persönlichen Nutzen ziehen kann?

Höfer:  Dieser Band sorgt in allererster Linie für Heiterkeit – zumal wenn sich Leserinnen/Leser selbst auf die Schliche kommen. Allerdings: Für besonders heikle Situationen gebe ich zudem anwendungsfreundliche Lösungshilfen - vielleicht nicht immer ganz ernst gemeint, aber konkret bzw. praxistauglich sind die allemal. Sowieso: Humor ist eine der Säulen, auf denen glückliche Partnerschaften gelassen ruhen können. Probieren Sie es aus. Meiner Erfahrung nach funktionieren die Tipps und Tricks auch außerhalb von Partnerschaften – selbst am Arbeitsplatz. 

Ihr wichtigster Tipp, um auf dem Weg zum echten Frauenversteher bzw. zur echten Männerversteherin einen deutlich Sprung nach vorne hinzulegen?

Höfer: Nehmen Sie sich regelmäßig humorvolle Auszeiten! Lachen Sie über sich selbst – und nehmen Sie sich bitte nicht allzu ernst. Oder beobachten Sie beispielsweise das andere Geschlecht, wie sich dies unterhält. Und danach probieren Sie, es genauso zu machen. Tauschen Sie die Rollen und genießen Sie  sodann verblüffende Erkenntnisse.