Es war eine interessante Tagung: Mit vielen neuen Eindrücken kehrten die Auszubildenden der Verbund-Krankenpflegeschule am St. Walburga-Krankenhaus Meschede aus der Ruhrgebietsmetropole Dortmund zurück. Dort hatten sie gemeinsam an dem in der Westfalenhalle II ausgerichteten "Junge Pflege Kongress" teilgenommen.

Auszubildende fühlen sich durch Kongress ermutigt - Pflege-Sektor braucht eine starke Lobby

[12.06.2014]

Die Eindrücke hatten selbst Tage später nichts von ihrer ursprünglichen Bedeutung verloren: „Für uns“, fassten Petra Skarupa-Schäfer und Lidia Arndt aus dem Mittelkurs der Verbund-Krankenpflegeschule am St. Walburga-Krankenhaus das Fazit der Mescheder Delegation zusammen, „war die Veranstaltung ein grandioses Erlebnis, von dem wir lange zehren werden.“ Gemeinsam mit rund 70 weiteren Azubis aus ihrer Einrichtung trafen sie in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle II bei dem bereits zum siebten Mal initiierten „Junge Pflege Kongress 2014“ auf über 2000 Besucherinnen und Besucher, die allesamt dasselbe Motiv verfolgten: Zusammen wollten sie für bessere Rahmenbedingungen innerhalb ihres Tätigkeitsgebietes Flagge zeigen, sich obendrein ausgiebig über Studiengänge,  Fortbildungschancen und potenzielle Arbeitgeber informieren.

Ein sogenannter Zukunftsmarkt, kombiniert mit zahlreichen Ausstellungsständen, lud rundherum zum Verweilen und Diskutieren ein – wie überhaupt Gedankenaustausch untereinander das Programm bestimmte. In zahlreichen Redebeiträgen sowie Gesprächen kristallisierte sich rasch heraus, woran es dem Pflegebereich mangelt: Der sei, so lautete der übereinstimmende Tenor, durch eklatante Personalknappheit gekennzeichnet, die führe wiederum zur permanenten Überlastung Einzelner. Auch aufgrund des eher bescheidenen, gesellschaftlichen Images würden einflussreiche Protagonisten fehlen, die gravierende Veränderungen bestehender Verhältnisse bewirken könnten. Um hier notwendige Schritte einzuleiten, sei eine starke, überzeugende Interessensvertretung erforderlich. Die eigene Organisation böte sich dafür an, warb etwa Professorin Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Dachverbandes DBfK, mit aufrüttelnden Worten um engagierte Unterstützung. Rückhalt benötige man sehr wohl, betonte die Institutsleiterin an der Universität Witten/Herdecke, damit die Forderung nach mehr Beschäftigten politisch nicht verhalle.     

Professionellere Einschätzungen

Dass die landauf landab typischen Strukturen des Stationsalltages – nunmehr aus Sicht des Fachkräfte-Nachwuchses - ebenfalls beleuchtet wurden, empfanden Skarupa-Schäfer/ Arndt als überaus nützlich. „Wie häufig passiert’s, dass gestandene Kolleginnen vor lauter Überlastung und Stress zu erschöpft sind, um gewisse Sachverhalte noch zu erklären oder zu zeigen.“ Sich darüber mit anderen Teilnehmern, denen Ähnliches widerfahren wäre, zu unterhalten und gegenseitig Verhaltensratschläge zu erörtern, habe letztlich zu professionelleren Einschätzungen interner Abläufe beigetragen. Zu den Empfehlungen der Referenten gehörte nicht zuletzt die Anregung, sich bei Ausbildungsangelegenheiten konstruktiv in betriebliche Prozesse einzubringen - Hinweise, die für persönliche Ermutigung sorgten. Genauso wie die Erläuterungen zu Möglichkeiten und Grenzen einer nach dem Examen denkbaren Freiberuflichkeit auf großes Interesse stießen.

Darüber hinaus lieferte die Tagung viele neue Erkenntnisse – dank spannender  Vorträge, die von Betreuungsformen für unter Demenz leidende Patienten über den Umgang mit chronisch kranken Kindern bis hin zu Praxisberichten über Einsätze auf Hospitalschiffen der internationalen „Mercy Ships“-Flotte ein breitgefächertes Spektrum aktueller Gesundheitsaspekte abdeckten.

Mediale Nachbetrachtungen

Zwischendurch konnten sich die Gäste an einer gemeinsamen Aktion beteiligen: So waren sie gebeten worden, in den Sitzungspausen an der Gestaltung des Kampagnen-Fotos „Pflege am Boden“ teilzunehmen – ein Slogan, der als Botschaft für die medialen Nachbetrachtungen sinnbildlich umgesetzt werden sollte. Was schließlich die Abordnung aus dem Hochsauerland nach ihrer Rückkehr aus der Ruhrgebietsmetropole bewog, ein Schnappschuss mit gleicher Losung nachzuempfinden.